Archiv für September 2006

Wut – die Realität ist schlimmer als der Film

Wut - FernsehfilmWut – so heißt der heiß diskutierte Film, der nun endlich, schließlich Freitag abend um 22.00 Uhr in der ARD lief – und anschließend gab es eine Art Live-Diskussion mit Publikum, Betroffenen und „Experten“, moderiert von Sandra Maischberger. Eine interessante Bestandsaufnahme über den Zustand, den unsere Gesellschaft erreicht hat und die einen wundern lässt. Wundern darüber beispielsweise, wie sehr gewisse Klischeebilder zutreffen können : raten Sie doch einfach mal munter drauf los, welche der Personen auf dem obigen Bild wegen wiederholter Straffälligkeit fünf Jahre in der JVA gesessen hat und welche Opfer von Kriminalität und Mobbing an der Schule wurde. Genau, ersterer ist der junge, adrette Mann im weissen T-Shirt rechts im Bild und letzterer der Junge mit der Brille. Wundern könnte man sich auch darüber, wie weit das menschliche Gehirn doch bei der Selbsttäuschung kommen kann:Aussage des jungen libanesisch-stämmigen Deutschen (ja, der mit dem weißen T-Shirt) nach seinem Anti-Gewalttraining: „Gewalt ist doch keine Lösung“ und auf Nachfrage „Aber weiss nisch, in der Disko, wenn jemand meine Freundin anmacht oder so, würd ich wieder zuschlagen“. Was er und andere dann anschließend von der „Realität auf der Straße“ zu berichten wussten, lässt jedenfalls in keine rosige Zukunft blicken. Diese Sendung entlarvte gewissermaßen die ganze Hilflosigkeit der anwesenden Experten und einer Politik, die dem Thema nicht mehr Herr wird und wohl auch nicht werden kann. Der Lehrer, der die Handys seiner Schüler – mit übelsten Gewaltvideos drauf – nicht konfiszieren darf und sich von diesen zeigen lässt, wie man einzelne davon dann auch löschen kann, spottet jeder Beschreibung. Die eigentlichen Ursachen für die Misere einer verlorenen Generation, die viel tiefer liegen als „der Mangel an Sozialarbeitern“, wurden dabei nicht einmal am Rande angesprochen. Nicht ganz fern liegt wohl die Vermutung, dass die Werte-Beliebigkeit unserer Gesellschaft in den letzten 30 Jahren einerseits und die Unwilligkeit der Zugewanderten, ihre Kinder zu Neugier und Akzeptanz dieser Werte anzuhalten, andererseits die Triebkräfte für diese verhängnisvolle Entwicklung waren.

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Namensforschung : nomen est omen!

Namen sind Schall und Rauch ? Mitnichten ! Wie heute auf spiegel.online zu lesen ist, gibt es durchaus Unterschiede in dem was man über sein Gegenüber denkt, die von dessen Vornamen abhängen. Unser Gehirn bilde sich demnach blitzschnell und quasi unterbewusst ein Urteil über den anderen anhand dessen Namen. Z.B. schätzt man durchaus ziemlich gut ab, wie oft ein Name in den einzelnen Altersschichten vertreten ist und gelangt so zu einem Urteil über Alter, aber auch Intelligenz und Attraktivität des Gegenübers. Untersucht wurde das Ganze in Studien an Probanden, die lediglich anhand eines vorgelegten Namens Einschätzungen dieses Menschen vornehmen sollten. Uwe ist demnach ein im Moment eher ungünstig eingestufter Männername, der auch folgerichtig nicht mehr sehr häufig vergeben wird. Eher interssant fände ich die Feststellung, was denn die heutzutage häufiger vergebenen Kinder-Namen wie Leonie, Lea, Niklas, Mia, Yannik usw. in ein paar Jahren für Reaktionen hervorrufen werden. „So, das ist der Yannik, leitender CEO der Sparte Transaktions-Managment“ klingt für heutige Ohren eher belustigend. Aber wer weiß, wahrscheinlich ändert sich der subjektive Eindruck eines Kindernames dann, wenn erstmal ganze Geschäftsabteilungen von lauter Cedriks, Yanniks und Annikas geleitet werden. Jedoch ist laut Aussagen der Studie zufolge der Trend festzustellen, dass die Verteilungs-wahrscheinlichkeit häufiger Namen in einer bestimmten Schicht abnimmt, d.h. kurz gesagt, dass Namen für den Nachwuchs heute viel individueller, bewußter und vielfältiger ausgewählt werden. Eine ganze Generation mit Franzs und Peters wie in der Nachkriegszeit wird es demnach wohl in fernerer Zukunft nicht mehr geben. Das beliebte Schulklassenritual der Durchnummerierung der Christians und Martins wird dann wohl auch leider entfallen müssen. Dagegen wird es dann wohl schwerer werden, sich die Namen zu merken oder korrekt zu intonieren (s. Amelié, Sören, Torben & Co.) Und etwas tröstliches bietet der Artikel auch noch als Schlussbonbon : schließlich würden sich der Klangeffekt oder die persönlichen Vorurteile gegenüber einem Namen bei Betrachten des dazugehörigen Fotos oder „Real-Life“-Menschen oft relativieren. Na, wer hätte d a s gedacht….

Maybach Exelero : so muss ein Batmobil sein

Maybach ExeleroDieses Schmuckstück der Automobilbauerkunst soll erstmal einer toppen: der Maybach Exelero,ein Batmobil für den Straßengebrauch (click picture to enlarge). Wie wenn es direkt aus den Batman-Filmen entsprungen wäre und kein Wässerchen trüben könnte, steht es da auf einer gewöhnlichen Straße in einer gewöhnlichen Stadt in Deutschland herum. Ein, wie ich finde, absolut aufregendes und außergewöhnliches Design ist Maybach damit gelungen. Im Gegensatz dazu erinnert das Heck des Wagens (Wagen ist schon fast zu profan gesagt), das man hier leider nicht so gut erkennen kann, im Retro-Look an die klassische Designlinie früherer Modelle. Wenn der Spaß nicht in etwa das Jahresgehalt eines Vorstandsvorsitzenden einer Großbank (oder mehr) kosten würde, wäre es das absolute Traumauto für Design-Puristen und Sci-Fi Autofans. Und dann kann der Nachbar mit seinem neuesten Sport-Cabrio-Coupé-Benz auch schauen wo er bleibt….

Film-Review: Miami Vice

Miami ViceUm es gleich vorweg zu sagen: die Neuauflage der 80`er Erfolgsserie Miami Vice als Kinofilm ist der Kracher dieses Kino-Herbstes ! Und das ist durchaus auch wörtlich gemeint : in dem Film mit Colin Farrell (Sonny) und Jamie Foxx (Ricardo) pfeifen einem zeitweilig die Kugeln nur so um die Ohren, dass sich das Trommelfell mit leisen Schmerzensbekundungen meldet. Aber der Kampf gegen die Drogenmafia in den sonnigen Gefilden Südfloridas und Kubas ist nun mal kein Zuckerschlecken, dies bekommen auch die beiden Protagonisten im Film zu spüren. Der neue, ziemlich düstere Stil, den der Regisseur Michael Mann in Miami Vice aufzieht, passt jedoch hervorragend zum Metier der beiden Undercover-Cops und dennoch kommt dank Flieder-Sakkos auch etwas 80er Jahre Feeling auf. Obwohl die Handlung nicht immer ganz logisch nachzuvollziehen ist (welche Kisten mit Waffen oder Drogen werden jetzt warum wohin geschmuggelt?), fühlt man sich dank eines funktionierenden Spannungsbogens über die gesamte Filmdauer perfekt unterhalten. Das Mißtrauen der Cops und Gangster untereinander, die Liebesbeziehung zwischen Sonny und seiner chinesischen Widersacherin (Gangsterbraut) und das furiose Ende garantieren einen hohen „Mit-Fieber-Effekt“. Einzig zu bemängeln wäre, dass der Film einige lose Enden an Handlungssträngen hinterlässt, die aber im Eifer des Gefechtes zunächst nicht übermäßig auffallen. A propos Gefecht: wer vorher nicht wusste, was eine „Barrett“ ist und so alles anrichten kann, ist nachher zumindest in dieser Hinsicht schlauer – und froh, dass es für solche Probleme Typen wie Sonny und Ricardo gibt…

The Zen Of CSS Design

The Zen Of CSS DesignFür alle, die Interesse am Produzieren von Webstandard-konformem Seiten haben und ihr Augenmerk vor allem auf die ästhetische Wirkung guten Designs legen wollen, sei dieses Werk empfohlen. Verfasst von zwei der bekanntesten Webdesigner im Umfeld des W3C-Gremiums, Dave Shea und Molly E. Holzschlag, stellt dieses Buch vor allem die Wirkungsweise auf den Betrachter und die kleinen, aber feinen Möglichkeiten von CSS, optisch umwerfende Designs zu erzeugen, in den Vordergrund. Ein wenig Vorkenntnisse im CSS-Code sollte der interessierte Leser also mitbringen, dennoch ist das Buch auch für Neulinge angenehm und durchaus unterhaltsam zu lesen. Anhand zahlreicher, bebilderter Webseiten-Beispiele wird exemplarisch gezeigt, mit welch verschiedenen Techniken und Ideen die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann. Durch den flotten Schreibstil und der Designlastigkeit hebt es sich wohltuend von der Masse der meisten nur auf trockenen Webcode bezogenen Design-Fachbücher ab.

Wieder mal Islam vs. Kultur…

IdomeneoSchon wieder hört man beunruhigende Nachrichten zu der (immer noch) aktuellen Debatte, was die islamischen Gemüter nicht alles verletzen könne. Diesmal ist es ein so harmlos und fern jeder Politik erscheinendes Sujet wie die Oper : wie z.B. spiegel.online berichtet, sollten zumindest die nächsten 4 Aufführungen von „Idomeneo“ an der Deutschen Oper in Berlin aus dem Spielplan gestrichen werden, weil man sich vor den etwaigen Reaktionen von Islamisten fürchte. In der religionskritischen Oper von Mozart sind einige Szenen mit den abgehackten Köpfen von u.a. Buddha, Jesus und Mohammed zu sehen. Diesmal steht also nicht die Redefreiheit (wie beim Zitat des Papstes), sondern mittlerweile auch die Freiheit der künstlerischen Darstellung auf dem Spiel…Welche in Jahrhunderten hart errungenen Freiheiten wollen wir im Westen eigentlich noch freiwillig aufgeben, nur damit reaktionäre islamische Kräfte gepampert sein wollen ? Der nun einsetzende empörte Aufschrei der Politik ob diesen Dhimmitums, selbst aus den liberalen und linken Ecken der politischen Prominenz, ist verständlich und völlig berechtigt. Wenn nun auch die Oper vor dem Islam zu kuschen hat, dann kann die westliche Kulturgemeinschaft gleich die Türen zumachen….denn was passiert dann bei den wirklich wichtigen, großen Themen der Politik in Zukunft ? Wer es noch nicht gemerkt hat, dem fällt spätstens jetzt siedend heiß ein, warum es in der islamischen Welt so unglaublich viele Theaterbühnen, Ballettabende, Kammerkonzerte, politische Kabaretts und Variétes gibt….

Archangel von Robert Harris

ArchangelIn diesem zweiten Roman, den ich von Robert Harris gelesen habe, dreht sich alles um ein dunkles Geheimnis des kommunistischen Diktators Stalin, auf das ein Historiker zufällig am Rande einer Tagung im postkommunistischen Rußland unserer Tage, stößt und das ihn zu weiteren Nachforschungen veranlaßt. Dabei werden die Irrungen und Wirrungen der damaligen Sowjetunion und des heutigen, von Korruption und Verwestlichung gezeichneten Rußlands, sehr lebensnah an der historischen Realität geschildert und sehr emphatisch fühlbar.Kontinuierlich wird Spannung aufgebaut und atemlos ist man gemeinsam mit Kelso Fluke, dem Historiker, und anderen Protagonisten, auf der Fährte der Geheimnisse um Stalin, bis sich die Ereignisse in der russischen Nordmeerhafenstadt Archangelsk (Archangel) schließlich zuspitzen. Fazit: Noch dichter und geheimnisvoller als “Fatherland” geschrieben und sehr detailliert recherchiert. Geschichte “in the making” und zum Anfassen, man spürt förmlich den kalten Hauch der russischen Taiga und des stalinistischen Allmachtsapparats, der einen zu umfassen droht…Absolut empfehlenswert!


Zitat der Woche

All the great things are simple, and many can be expressed in a single word: freedom, justice, honor, duty, mercy, hope. (Winston Churchill)

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