Saddam…no bad deed goes unpunished…

SaddamHier ist es nun, das Ende mit Schrecken, Schrecken natürlich nur für den Verurteilten : Todesurteil für den Ex-Diktator Saddam Hussein! Die einen, die von seinen Folter-Missetaten und grausamen ethnischen Säuberungen direkt oder indirekt Betroffenen und Angehörigen würden heute wohl die Sektkorken knallen lassen, wenn sie denn dürften. Die anderen, seine Anhänger und versteckten politischen Mitläufer oder Sympathisanten waren wohl nicht allzu erfreut, müssen sie in ihm doch ein Symbol bzw. Stellvertreter dafür sehen, dass auch sie dort vor dem Tribunal hätten stehen können. Dass Saddam heute vor dem Tribunal noch einmal den Glaubens-Joker zog, von wegen mit dem Koran wedeln und „Allahu akbar“ rufen und so, machte ihn eigentlich dann schon wieder fast bemitleidenswert. Ich meine mich auch zu erinnern (Entschuldigung, Joschka), dass ich hier in der westlichen Presse mehr als einmal das Argument gehört habe, der Krieg Amerikas gegen Saddam hätte den Falschen getroffen, weil dieser ja säkular sei und von Islam und Al-Quaida und überhaupt ja keine Ahnung und nichts damit zu tun hätte. Das passt ja nun überhaupt nicht zusammen – oder vielleicht kam sein Glaube während seines Hungerstreiks auf, als er ahnte, dass das Unvermeindliche wohl diesmal wirklich unvermeindlich auf ihn zukam. Die späte Einsicht, das späte „Memento mori“! Nun will ich hier eigentlich überhaupt nicht das Verdikt der Todesstrafe preisen, denn… die Todesstrafe ist im Grunde genommen eine Anmaßung des Menschen, nicht umsonst heisst es in den Zehn Geboten nicht „Du sollst nicht töten, ausgenommen in diesem und jenem Fall“, sondern einfach „Du sollst nicht töten“. Menschliche Gerechtigkeit kann aber eben nie das absolut Gerechte erreichen, sondern nur das als gerecht empfundene. Und das Todesurteil über einen der schlimmsten Diktatoren der jüngeren Zeit (ok, Nicolae Ceausescu und Kim Yong-Il kommen schon recht nah an ihn ran) ist sicher keine christliche Vorgehensweise, komischerweise dürfte sie aber von vielen als „gerechte“, ja vielleicht noch – in Anbetracht dessen, was er seinen Opfern zufügte – milde Strafe empfunden werden. Es wird das traurige Ende einer traurigen Existenz sein, ganz wie im antiken Drama. Aber was hätte man sonst auch erwarten sollen ? Urteile wie „10 Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung ? „3 Jahre Haft auf Bewährung ?“ „Einweisung in therapeutische Behandlung mit anschließenden Resozialisierungsmaßnahmen?“ Alles völlig utopisch. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass es Entscheidungen gibt, die nicht richtig sind und trotzdem gerecht in dem Sinne, dass dem Gerechtigkeitsempfinden des empathischen, fühlenden Verstandes vieler Menschen Genüge getan wurde. Dieses Urteil – dass man analog der Problematik des Tyrannenmordes verstehen muss – zeigt eben auch, dass der Begriff „Siegerjustiz“ nicht unbedingt unethisch sein muss: der Sieg der gerechten Sache fordert die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen heraus, dafür einzustehen, was er getan hat. In früheren Zeiten hätte sich, jedenfalls den Sagen und Legenden nach, der Herrscher im Angesicht seiner Schuld bzw. seiner Niederlage, ehrenvoll in sein eigenes Schwert gestürzt, um der Schmach des Angeklagtendaseins zu entrinnen. Das kann man vom heutigen Diktator von Welt, vom Schlage eines Hussein, nicht erwarten und daher gibt es die, die über ihn richten müssen, so ungern sie es tun: sie stehen hier und können nicht anders. Der wahre, letzte Richter oder auch die wahre Barmherzigkeit wartet dann allerdings erst auf der anderen Seite, wo alle irdischen Massstäbe aufgehoben sind.

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