Film-Review : Marie Antoinette

Marie AntoinetteDies ist so einer dieser Filme, wo man zunächst nur zögerlich hingeht : „Na ja, das wird wohl ein weiterer dieser Kitsch- und Kostümfilme sein, gespickt mit Tränen und Herzschmerz“, so in etwa könnte man auch mein Vorurteil dem Film gegenüber beschreiben. Jedoch, weit gefehlt. Für das optische Feuerwerk, das Starregisseurin Sofia Coppola in dem Film über das Leben der französischen Königin Marie Antoinette abbrennt, gibt es nur eine Bezeichnung, die all das Geschehen auf der Leinwand treffend umschreibt : Opulenz. Opulenz in den fantastisch dekorierten Bildern, Opulenz in den prächtig ausstaffierten Akteuren und auch Opulenz in der Musik, die zwar in modernem Gewand (Songs von „New Order“, „The Cure“ …) daherkommt, sich aber sehr wirkungsmächtig präsentiert und allgegenwärtig ist. Durchgängig wird dabei in dem Film fast ausschließlich nur das Leben am französischen Hof gezeigt (inklusive Völlerei, Prunk, Langeweile und Intrigen) – die bittere Realität der damals völlig verarmten nicht-adeligen Stände wird ausgeklammert. Kritiker werden dies dem Film zum Vorwurf machen, sie werden argumentieren, der Film sei nichts als Staffage und verarmt an Handlung. Aber so einfach ist es nicht: Gerade weil Coppola diesen subjektiven Ansatz, diese Milieustudie, bewußt wählte, bekommt der Film etwas eigentümlich Einzigartiges, eine andere Sicht der Dinge, die man so noch nicht gesehen hat. Der Elfenbeinturm des Hochadels der damaligen Zeit, völlig isoliert von den Problemen und Veränderungen der Welt drumherum, wird einem dadurch viel mehr gegenwärtig: Die Dauphines und Königinnnen der vorrevolutionären Ära, deren allergrößte Sorge das Gebären eines – möglichst männlichen – Thronfolgers war. Das Eingebunden-Sein in Handlungszwänge und starre Hofetikette, die bis ins Absurde gesteigert war (z.B. Anwesenheit des gesamten Hofadels an der morgendlichen Ankleidetoilette). Die Dekadenz und Oberflächlichkeit einer geschlossenen Gesellschaft, die in unvorstellbarem Luxus lebte usw…Die Figuren dieser Epoche werden von Coppola dem Zuschauer dabei aber nie unsympathisch präsentiert, im Gegenteil, sie werden als „Kinder ihrer Zeit“ dargestellt, die eben nur so und nicht anders handeln konnten. Auch die außergewöhnlich gute Besetzung des Films, die ihren Rollen mehr als gerecht werden, muß gelobt werden : Kirsten Dunst, der die Rolle der Marie Antoinette wie auf den Leib geschneidert ist, zeigt hier, dass sie mehr Talent hat, als nur die Rolle der Superman-Geliebten darzustellen. Ihre emotionale Wandlungsfähigkeit ist bemerkenswert, was sich z.B. auch im Älterwerden der Königin im Film  gut wiederspiegelt. Auch Jason Schwartzmann, der ihren Gatten König Louis Auguste spielt, bringt dessen nachgesagte Tolpatischigkeit glaubhaft, aber nie lächerlich wirkend, an den Zuschauer. Der einzige Kritikpunkt, der bleibt, ist vielleicht, dass man von einer Sofia Coppola mehr, noch mehr als dargeboten, erwartet hätte. Mehr Tiefsinnigkeit in den Dialogen, mehr Blick hinter die Kulissen, dann hätte der Film ein Meisterwerk werden können, so bleibt doch ein wenig der Geschmack des PopArt-Absolutismus an dem Film haften. Auch das abrupte Ende ohne die Darstellung der Entwicklung der franz. Revolution hat ein wenig enttäuscht. Andererseits, vielleicht ist das gerade die Kunst…und jeder sollte schließlich wissen, wie das nochmal war mit Louis XVI, der Guillotine und der Bastille et cetera, mes dames et messieurs.

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