Drama in 4 Akten

Drama1. Akt:  Vorhang auf für ein modernes tragikomisches Theaterstück auf der Weltbühne der internationalen Diplomatie und der politischen Korrektheit. Die grün gekleideten Elitekrieger einer sich selbst als souverän bezeichnenden Nation im Gewand eines totalitären Ideologie-Regimes überfallen und entführen einige Seeleute einer anderen souveränen Nation in Gewässern eines dritten Staates. Der ausführende Staat dieser Kommando-Operation liegt zufälligerweise auch gerade im Streit mit fast allen anderen Nationen aufgrund der Verschleierung seiner heimlichen Aufrüstungspläne. Die Handlung steht, die Akteure sind bekannt, und das Drama kann beginnen…

2. Akt: Entwicklung und Klimax. Der Vorfall wird natürlich durch die Berichterstattung schnell bekannt, schließlich brüstet sich der Aggressor mit seinen Gefangenen, bezichtigt sie der Spionage und behauptet unbewiesenermaßen auch noch im Recht zu sein. Die Gegenseite beharrt zunächst vehement auf der sofortigen Freilassung ihrer Seeleute, wobei ihr anfangs auch die gesamte Staatengemeinschaft beipflichtet. Aber der Widerstand bröckelt. Auch der Aggressor schwankt zwischen angedrohten Schauprozessen der Gefangenen und der Betonung darauf, wie gut und gastfreundschaftlich man sie behandele. Zum Beweis des letzteren verstößt er sogar gegen internationales Recht, indem er Aufnahmen von gelassenen und gutgenährten Gefangenen zeigt, um so seinen vermeintlichen guten Willen zu bekunden. Gut, beim Zeigen der Haarpracht der einzigen weiblichen Gefangenen hört der gute Wille auf, da muss das obligatorische Geschirrtuch seinen neuen Zweck erfüllen. Aber sonst alles prima, der Gesprächsfaden zwischen den beiden Nationen darf ja nicht abreissen. Tut er auch nicht, denn die andere Nation ist nun verwirrt, zieht sich auf Minimal-Forderungen zurück und schickt ihre Diplomaten in Bewegung. Die verschleppten Soldaten können nur hoffen und bangen. Sie wenden sich in immer neuen, öffentlichen Äußerungen sogar scheinbar gegen ihre eigene Regierung und solidarisieren sich scheinbar mit ihren Entführern.

3. Akt: Conclusio. Überraschenderweise werden die Seeleute nach fast 2 Wochen Isolation und Geiselhaft freigelassen, nicht jedoch ohne den hämischen Hinweis auf die Großmütigkeit der Aggressor-Nation und die Inszenierung einer Tapferkeits-Auszeichnung für die eigenen Befehlshaber. Die Freilassung wird überall auf der Welt mit Erleichterung aufgenommen, der Vorhang ist gefallen – doch nur vorerst und scheinbar friedlich…

4. Akt: Das Nachspiel. Die freigelassenen Seeleute werden in ihrer Heimat empfangen und erzählen auf einmal ganz andere Geschichten als in ihrer Gefangenschaft. Von Isolation, psychischem Druck und  Verhören ist die Rede. Die Medien stürzen sich auf die Geschichten, gleichzeitig fordert die beleidigte andere Nation nun ebenso Zugeständnisse und stellt die Aussagen der Seeleute in Freiheit nun ihrerseits als Lügen dar. Als angeblichen Beweis gibt es wieder häppchenweise Videos aus der Zeit ihrer Gefangenschaft.

Die Zuschauer klatschen derweil unbekümmert, schade dass es so schnell vorbei war.  Teilnahmslos und mit Achselzucken wurden die Ungereimtheiten und Unerhörtheiten des Stückes zur Kenntnis genommen. Ein schlechter Plot mit guten Darstellern, was solls. Diese Spielpläne aus dem nahen und mittleren Osten sind halt nicht mehr das, was sie mal waren…

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