Archiv für August 2007

Südkoreas Spiel mit dem Feuer

Als wir heute hörten, dass auch die letzten südkoreanischen Geiseln (bzw. Geiselinnen müsste man fast sagen, denn es waren alles Frauen) aus der Taliban-Gefangenschaft freigekommen sind, waren natürlich auch wir zunächst mal darüber erleichtert und froh, dass die „good news“ (s. vorhergehender Artikel) doch eingetreten sind. Weniger froh machen einen da aber schon die Umstände, unter denen das scheinbar geschah: Südkorea`s Zugeständnisse an die Steinzeit-Kidnapper stimmen bedenklich, und wenn es wahr sein sollte, dass Millionensummen geflossen sind, dann umso mehr. Es ist einfach für ein souveränes, demokratisches Land nicht hinnehmbar, mit Terroristen zu verhandeln und auf deren Forderungen einzugehen, selbst wenn die Zusicherungen nur für die Zukunft gemacht werden! Denn wie stark und mächtig sich die Taliban nun fühlen werden, und wie die Entführungsfälle nun aus dem Boden sprießen werden wie junges Gemüse, mag man sich kaum ausmalen.

Das einzig Richtige, was Südkorea nun noch tun könnte (aber vermutlich nicht tun wird), ist: den Halsabschneidern ne lange Nase zeigen und weder Truppen noch Missionsarbeiter abziehen, sondern erst recht verstärken. Den Taliban zeigen, dass wir die Taquiya genauso beherrschen wie sie! Sie für die Erschießung der zwei (männlichen) Geißeln dadurch so gut wie eben möglich „bestrafen“! Natürlich werden diese dann wieder reagieren und noch mehr Leute entführen, aber das werden sie aus lukrativen Gründen nun sowieso tun. Die Einbahnstraßen-Situation ist also eh schon geschaffen worden, nun gälte es, Stärke zu demonstrieren. Ansonsten ist dies heute für Afghanistan kein Tag der Freude, eher ein Tag der Trauer! Ein Tag der Trauer ist es sowieso für die Angehörigen der zwei christlichen Mitarbeiter, deren sinnlosen Tod wir nicht vergessen dürfen!

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Die Talibanisierung der Sprache

KabulSind wir eigentlich die einzigen, denen es auffällt ? Gestern platzte mitten in die Trauerfeier für die in Afghanistan getöteten deutschen Polizisten die Meldung, dass eine deutsche Frau, die – wohlgemerkt – für eine christliche Hilfsorganisation (ora) arbeitete, entführt worden war. Und prompt poppten gleich Aussagen wie „es soll sich bei den Entführern nicht um Taliban, sondern um Kriminelle gehandelt haben“ über die Ticker…Hallo ? Wer einigermaßen logisch denken kann, wird doch zugeben müssen, dass es sich bei „Taliban“ nur um eine Untermenge der Menge „Krimineller“ handeln kann, sowie der Begriff „Gotteskrieger“ eine Unterkategorie von „Mörder gleichwelcher Motivation“ darstellt. Durch diese mit chirurgischer Präzision geführte Sprachdifferenzierung wird jedoch hierzulande der Eindruck erweckt, die Taliban seien weit davon entfernt, gewöhnliche Kriminelle zu sein – nein, sie haben ja höhere, geistige, religiöse und politische Ziele. Dabei sind sie doch in Wahrheit nichts als eine genauso tief stehende, skrupellose Killerbande, die ihre fadenscheinigen Begründungen für Anschläge und Entführungen aus der islamischen Ideologisierung zieht – killing in the name of… lässt grüssen.

A propos Afghanistan…da war doch mal was mit 23 (jetzt nur noch 21 bzw. 19) koreanischen Geiseln und so einem deutschen Ingenieur….anyone heard anything positive about them lately? Man kann die absurde Situation dort eigentlich nur noch mit einer Portion Zynismus ertragen, wenn man hört, wie die deutsche Presse etwas von einem „Sprecher der Taliban“ faselt. So so, ein Sprecher also! Was qualifiziert den Mann eigentlich für den Job ? Praktikum als Regierungssprecher im Auwärtigen ? Wohl eher unwahrscheinlich…es ist einfach so, dass da zerlumpte selbsternannte Terroristenfürsten sich durch die Angst der westl. Staaten um ihre Leute ein breites Publikum in unserer Nachrichtenlandschaft erobern konnten. Und warum ? Weil wir mit ihnen verhandeln, weil wir sie öffentlich in unseren Hauptnachrichten zu Kommandanten und Sprechern überhöhen, weil wir ihnen  – kurzum – eine Aufmerksamkeit schenken, die sie nicht ansatzweise verdienen.

Nicht dass wir kein Verständnis oder keine Sorge um die Entführten hätten. Wenn ein Teil meiner Familie oder Bekannten da entführt werden würde – God knows what I would do. Aber: Offiziell darf sich kein Staat, sollte sich kein Staat erpressen lassen. Und auch die Medien müssen mehr Rückgrat zeigen; schon die Sprache, die sie benutzen, sollte zum Ausdruck bringen: keine Sympathien mit diesen Gesetzlosen, keine Anerkennung ihres Status! Denn sonst haben diese Henker und Halunken schon gewonnen, ohne einen Schuss abzugeben…und man braucht sich über weitere, immer dreistere Entführungen nicht zu wundern!

Der Sudan und der „islamische Friede“

AfrikaDas Thema Afrika und die ideologische Auseinandersetzung mit der „religion of peace“ dort ist schon seit Jahren ein Problemfeld mit riesigen Auswirkungen auf die Stabilität der Region und den globalen Kampf um die Einhaltung der Menschenrechte. Das, was im Sudan geschieht und das unvorstellbare Leiden der Menschen und Flüchtlinge dort, wird zwar mittlerweile – gelegentlich – in den Nachrichten behandelt, aber selten wird der Fokus auf die Grundlagen des Problems der Vertreibungen und Misshandlungen gelegt: die arabischen Reitermilizen. Dies tut der erschütternde Bericht heute auf spiegel.online zwar auch nicht, aber er ist trotzdem lesenswert. Wenn man ein bisschen zwischen den Zeilen liest, erkennt man, daß der Konflikt neben einem ethnischen, auch einen ganz klar glaubensbezogener ist. Die Überlegenheit und Überheblichkeit, mit der sich da eine ganze Volksgruppe über andere Menschen stellt, wird nur begreiflich, wenn man sie im Kontext mit Tradition und Wesen des arabischen (Pan-)Nationalismus und Islamismus sieht.

Pecunia olet … in Libyen !

HaftJeder, der die Verhältnisse in der Levante bzw. in von Despoten regierten Regimen in Afrika kennt, hatte ja schon immer an der vermeintlichen Schuld der bulgarischen Krankenschwestern im AIDS-Streit mit Libyen zweifeln müssen. Nun lässt Diktator Gaddafis Sohn endgültig die Katze aus dem Sack: Die Geständnisse der Mediziner wurden durch Folterung mit Stromstößen(!) und Androhungen, ihren Familien etwas anzutun, erpresst. Und die AIDS-Infektionen waren natürlich auch schon vorher aufgetreten!

Eigentlich ein unglaublich erschreckendes und entlarvendes Geständnis, so frank und frei dahergesagt, als ginge es um die versehentliche Inhaftierung eines Verkehrssünders! Dabei haben diese Mediziner acht Jahre ihres Lebens in libyischer Haft verbringen müssen, ständig den drohenden Tod durch die ausgesprochenen Todesurteile für eine von der libyschen Regierung gefakte Straftat vor Augen.

Aber gut, dass das europäische Schmiergeld, die 460 Millionen, die generös geflossen sind, erst mal bei Gaddafi in sicheren Händen sind – so schnell wie er die verbraucht haben wird, kann man bestimmt nicht schauen. Tja, seht her, ihr Terroristen im Irak, könnte man da spöttisch anmerken, von Gaddafi lernen, heißt monetär siegen lernen…die ganz üble Terroristenmasche, nur noch perfider und ausgebuffter: Westliche Helfer (Ärzte) erst einreisen lassen – dann als Geißeln nehmen – sie als (selbst) schuld bezeichnen – über ihre angebliche Schuld ein Urteil fällen – sich dann gg. Zahlung eines kleinen Bakschischs (in Höhe von einer halben Mrd. Euro) großmütig zeigen – und Europa lässt sich auch noch auf den Deal der Staatsterroristen ein und verkauft das Ganze als großen Erfolg! Und warum fordert nun eigentlich keiner der europäischen Spitzenpolitiker die 460 Mios zurück – notfalls auch mit militärischem Druck ?

Pecunia olet  – das Geld stinkt gewaltig in Libyen!

Hinrichtungen im Iran und keiner sieht hin

KranDie Praxis der Hinrichtungen von politisch unliebsamen Gegnern, Regimefeinden, Kritikern und wegen Verbrechen zum Tode Verurteilten wird im Iran immer intensiver und öffentlicher: mittlerweile sind die Steinigungen und das leidensverlängernde Aufhängen an Kränen zu Massenschauspielen für den wütenden Mob geworden, aber wo bleibt der Aufschrei im Westen ? Kritik an der Todesstrafe wird immer nur dann geübt, wenn man die USA an den Pranger stellen will, der Iran wird in der westlichen Presse hingegen in dieser Hinsicht verhätschelt. Eine löbliche Ausnahme und ein sehr empfehlenswerter Artikel zu diesem Thema liefert nun überraschenderweise die online-Ausgabe der WELT. Unbedingt hier weiterlesen…


Zitat der Woche

All the great things are simple, and many can be expressed in a single word: freedom, justice, honor, duty, mercy, hope. (Winston Churchill)

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