Die Talibanisierung der Sprache

KabulSind wir eigentlich die einzigen, denen es auffällt ? Gestern platzte mitten in die Trauerfeier für die in Afghanistan getöteten deutschen Polizisten die Meldung, dass eine deutsche Frau, die – wohlgemerkt – für eine christliche Hilfsorganisation (ora) arbeitete, entführt worden war. Und prompt poppten gleich Aussagen wie „es soll sich bei den Entführern nicht um Taliban, sondern um Kriminelle gehandelt haben“ über die Ticker…Hallo ? Wer einigermaßen logisch denken kann, wird doch zugeben müssen, dass es sich bei „Taliban“ nur um eine Untermenge der Menge „Krimineller“ handeln kann, sowie der Begriff „Gotteskrieger“ eine Unterkategorie von „Mörder gleichwelcher Motivation“ darstellt. Durch diese mit chirurgischer Präzision geführte Sprachdifferenzierung wird jedoch hierzulande der Eindruck erweckt, die Taliban seien weit davon entfernt, gewöhnliche Kriminelle zu sein – nein, sie haben ja höhere, geistige, religiöse und politische Ziele. Dabei sind sie doch in Wahrheit nichts als eine genauso tief stehende, skrupellose Killerbande, die ihre fadenscheinigen Begründungen für Anschläge und Entführungen aus der islamischen Ideologisierung zieht – killing in the name of… lässt grüssen.

A propos Afghanistan…da war doch mal was mit 23 (jetzt nur noch 21 bzw. 19) koreanischen Geiseln und so einem deutschen Ingenieur….anyone heard anything positive about them lately? Man kann die absurde Situation dort eigentlich nur noch mit einer Portion Zynismus ertragen, wenn man hört, wie die deutsche Presse etwas von einem „Sprecher der Taliban“ faselt. So so, ein Sprecher also! Was qualifiziert den Mann eigentlich für den Job ? Praktikum als Regierungssprecher im Auwärtigen ? Wohl eher unwahrscheinlich…es ist einfach so, dass da zerlumpte selbsternannte Terroristenfürsten sich durch die Angst der westl. Staaten um ihre Leute ein breites Publikum in unserer Nachrichtenlandschaft erobern konnten. Und warum ? Weil wir mit ihnen verhandeln, weil wir sie öffentlich in unseren Hauptnachrichten zu Kommandanten und Sprechern überhöhen, weil wir ihnen  – kurzum – eine Aufmerksamkeit schenken, die sie nicht ansatzweise verdienen.

Nicht dass wir kein Verständnis oder keine Sorge um die Entführten hätten. Wenn ein Teil meiner Familie oder Bekannten da entführt werden würde – God knows what I would do. Aber: Offiziell darf sich kein Staat, sollte sich kein Staat erpressen lassen. Und auch die Medien müssen mehr Rückgrat zeigen; schon die Sprache, die sie benutzen, sollte zum Ausdruck bringen: keine Sympathien mit diesen Gesetzlosen, keine Anerkennung ihres Status! Denn sonst haben diese Henker und Halunken schon gewonnen, ohne einen Schuss abzugeben…und man braucht sich über weitere, immer dreistere Entführungen nicht zu wundern!

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