Der Herr Terrorist von nebenan

Was bleibt eigentlich nun an Erkenntnissen von den vorgestrigen Festnahmen der islamischen Terroristen ? Und welche Lehren sind daraus für die Zukunft zu ziehen ?

Punkt 1: Ich denke, die Diskussion geht in Deutschland hier in eine falsche Richtung. Wer sich in den letzten Jahren einmal ein bisschen mit dem Thema Islam, Radikalisierung usw… beschäftigt hätte, für den kann die Tatsache, dass die neue „Generation“ von Terroristen nun aus Konvertiten und scheinbar friedlich koexistierenden Mitbürgern besteht, eigentlich keine Überraschung gewesen sein. Das sind Leute, denen es im Grunde genommen hier „zu gut“ geht (schon der Volksmund sagt, wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis und bricht sich ein Bein). Leute, die eigentlich eine schwache Persönlichkeit haben und im Grunde genommen in eine geschlossene Abteilung zur Behandlung von Größenwahn gehören. Menschen, die die immer weitreichendere Freizügigkeit des Westens nicht als Chance (oder auch Herausforderung) begreifen, sondern nur Verachtung für ein System erübrigen, das ihnen eigentlich alle Grundlagen bietet, etwas aus sich zu machen. Da sie dies nicht können oder wollen, geraten sie schon als junge Menschen dann an eine Heilsversprechung, die ihnen die Struktur und Ordnung gibt, die sie vermissen und zur Aufrechterhaltung ihres labilen Selbstbewusstseins auch brauchen wie ein Junkie seine Drogen. Das Problem ist dabei nicht, dass eine Demütigungserfahrung durch den Westen dabei der Auslöser ist – denn Demütigungen erfahren wir alle mehr oder weniger im Leben. Das Problem ist, dass solche Erfahrungen dann in ein scheinbar kohärentes, latent schon vorhandenes Feindbild von westlicher Lebensweise wie ein Puzzlestück eingefügt werden und dann, ähnlich den Verschwörungstheoretikern, alles nur noch aus dieser Sichtweise gesehen wird. Was nicht passt, wird (vom Terroristengehirn) dann passend gemacht.

Punkt 2: Unsere Hilflosigkeit, angemessen auf solche Situationen zu reagieren. Natürlich ist es toll, dass der Plot aufgedeckt wurde und so akribisch die Terrorzelle abgehört und durchleuchtet wurde, was ja letztlich zu dem Polizei-Erfolg führte. Aber das kann doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es letzten Endes nur ein plumper Zufall und die Dummheit der Terroristen war, die sie erst ins Licht der Behörden rückten (US-Soldaten haben diese übrigens beim Ausspähen der Kasernen in Hanau beobachtet und als erstes gemeldet). Jeder weiss genau, dass wir nicht die Resourcen haben, alle potentiellen Gefährder mit Überwachungsbeamten einzudecken, wenn für 3 Leute schon 300 Beamte über Monate hinweg dafür abgestellt werden müssen. Die Polizeigewerkschaft hat sich gerade erst in diesen Tagen beklagt, dass immer mehr Stellen abgebaut werden bei gleichzeitigem Anstieg an Aufgaben wie Terrorbekämpfung usw…

Punkt 3: Unser „Augen-verschliessen-und-hoffen-dass-schon-nichts-weiter-passiert“ Prinzip, welches sich als fatal und gescheitert erwiesen hat. Unsere ewig gleiche Beteuerung, ja nichts und niemanden unter „Generalverdacht“ stellen zu wollen, und immer erst alles prüfen zu müssen usw… Die ewige Gleichmacherei und Gleichwertigkeit aller Anschauungen, seien sie auch noch so abstrus. Ich habe noch von keinem zum Christentum oder zum Schamanismus Konvertierten gehört, der eine besondere Vorliebe für H2O2 und andere brisante Stoffe entwickeln würde. Das Leugnen, dass es nun mal in den islamischen Gemeinden gewisse Probleme gibt, um es mal mild auszudrücken. Es fehlt die Bereitschaft, Probleme anzusprechen, und auch aktiv einzugreifen, anstatt immer in Passivität alles abzunicken, was an Lösungsansätzen von den islamischen Verbänden kommt: Gleichgeschlechtlich oder getrennt schwimmen, Kopftuch oder nicht im Klassenzimmer, Schächten oder nicht, Kruzifix ja oder nein – das alles lenkt nur ab von dem strukturellen Problem, das dahinter steckt: der Unvereinbarkeit von gewissen religiösen Weltanschauungen mit einer moderen, aufgeklärten, selbstreflektierenden, in Werten verankerten und geordneten Welt!

Punkt 4: Die Resignation, ihr Gegenspieler (die Panikmache) und das Verlagern von Feinbildern. Gegen Terror kann man ja eh nichts machen, so eine oft gehörte Meinung in diesen Tagen auf der Straße. „Wir sind Teil eines weltweiten Gefahrenraumes“ aus dem Munde unseres Innenministers, der – Entschuldigung, aber verdammte Hacke nochmal – für die innere Sicherheit dieses Landes verantwortlich ist. Genau dieses Gefühl ist es doch, was die Terroristen erzeugen wollen: es kann auch dich jederzeit treffen – egal ob du in Kleinkleckersdorf wohnst oder in Berlin-Mitte. Ein Hauch Haifa und Tel-a-Viv light, mitten in Deutschland sozusagen. Vielleicht brauchten wir das, haben wir ja Israel immerhin bisher nie so richtig verstehen können. Dabei sind auch Terroristen nur jämmerliche Gestalten, die genauso Fehler machen und erwischt werden können wie jeder Kleinkriminelle auch. Man braucht nur den Willen und das entsprechende Know-How dazu, man muss immer einen Schritt weiter sein als sie. Ob die Online-Durchsuchung nun das Mittel der Wahl ist, sei dahingestellt. Wenn diese Typen kryptographisch ein wenig heller wären, würden sie über Schäubles Vorstoss wahrscheinlich nur lachen. Und nun sollte auch der letzte gemerkt haben, dass wir mit den Amerikanern (zum Glück) in einem Boot sitzen und diese mit ihrem Anti-Terror-Kampf wohl nicht ganz unrecht haben.

Fazit: Alles zumindest im Prinzip lösbare Aufgaben, wenn man sie mal angehen würde. Von wegen, es gäbe kein eindeutiges Täterprofil, na klar, how about this one: alle modernen Terroristen sind a) Muslime b) jung, meist zwischen 20 und 35 c) Männer (zu 99%, noch) d) gut ausgebildet, haben Chemie-(Grund-)kenntnisse e) sind extrem gläubig, verschleiern dies oft durch überkorrektes, tadellos-unauffälliges Gehabe. So, das sollte doch reichen oder ? Warum ist es in unserem politisch überkorrektem Deutschland so schwer, diese Erkenntnisse in seine grauen Zellen einsickern zu lassen ?

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