Was ist wirklich Mut ?

Diese Frage drängte sich mir heute beim Lesen der zahlreich vorhandenen Berichte über den Prozess über die sog. „U-Bahn-Schläger“ von München auf.  Um es schon vorwegzunehmen, mein Eindruck ist, dass dieser Renter, der da so viel erdulden und durch die Krankenhausaufenthalte erleiden musste in den letzten Monaten, dieser „ganz normale“ Bürger uns allen ein Vorbild darin sein kann, was es heißt, mutig für Gerechtigkeit und Geradlinigkeit, ja leztlich für diese Gesellschaft, die uns trägt, einzustehen.

Mut kann ja viele Formen annehmen. Mutig kann es z.B. sein, morgen zu dem Fussballspiel (Dtschl. – Türkei) sein Auto mit angeflanschten Deutschlandfahnen links und rechts, in der Nähe eines Public Viewing Ortes abzustellen. Mut kann es sein, sich zu überwinden, irgendeine schwierige Aufgabe zu erfüllen – es muss nicht immer der (Todes)mut sein, Personen aus einem brennenden Haus zu retten oder der Wagemut, irgendeine Probe vor anderen zu bestehen. Heutzutage ist auch das Mutig-Sein, mangels seltener lebensbedrohlicher oder gefährlicher Situationen im Alltag, oft zum reinen „Fun-Event“ verkommen, man denke da nur an Bungee-Jumping, Skydiving und alle diese Dinge. Zu diesen braucht man gewiss eine gehörige Portion Mut, aber letztendlich ist man doch so abgesichert, dass im Normalfall kein Schaden für Leib und Leben droht.

Nein, wahren Mut zeigt uns dieser einzelne Renter, ehemals Geschichtslehrer von Beruf, der einfach an einem bestimmten Tag eine bestimmte U-Bahn bestieg. Ohne sich vielleicht der Gefahren durch die jugendlichen Aggressoren bewutßt gewesen zu sein, zeigt er Zivilcourage, weisst sie höflich, aber bestimmt auf ein Fehlverhalten hin, ja lässt sich dann gar, ohne die Konfrontation zu suchen, beleidigen und beschimpfen, setzt sich einfach woanders hin. Auf die heimtückische Attacke, die sein Leben hätte kosten können, war er nicht gefasst.

Und nun zeigt er ein zweites Mal Mut: anstatt unter großem öffentlichem Druck die dahingeschluderte Entschuldigung der unreuigen Täter anzunehmen, schlägt er diese aus und spricht frei von der Seele, wie es ist: Man spürt, wenn eine Entschuldigung von Herzen kommt, oder wenn sie fabriziert wird, um die drohende Strafe niedriger werden zu lassen. Wenn sie unter anwaltlicher Beratung den Delinquenten geradezu aufgezwungen wird mit Hinweis auf den positiven Eindruck vor Gericht. Zu Recht weisst er auf die ihm entwendeten Sachen hin, die er bis heute vermisst. Fordert Taten statt laue Worte. Und nimmt somit in Kauf, von der allverzeihenden Presse im Subkontext als zwar gezeichnetes, aber doch herzloses Opfer dargestellt zu werden.

Dieser Mann hat meinen Respekt, und er sollte den Respekt von uns allen haben, von allen, denen der Erhalt der zivilisatorischen Regeln in dieser Gesellschaft etwas bedeutet.

Foto: pixelio.de, Urheber: beekeeper

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