Der „schüchterne“ Till

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Ja, wir geben es gerne und auch schon im Vorfeld zu: dies wird ein Artikel aus dem Bereich „Klatsch & Tratsch“, oder „Aufgeschnappt aus Frauenzeitschriften“, oder auch wahlweise „Warum Prominente zu gewissen Themen besser schweigen“. Es stand aber so wortwörtlich in den Online-News, z.B. bei SpOn, und wahrscheinlich ist es schon bald in allen deutschen Frauenzeitschriften drin.

Es geht um Till Schweiger, der laut „In“, einem „Star und Style-Magazin„, gesagt haben soll, dass Monogamie totaler Blödsinn sei und sich die Kirche das alles ausgedacht habe. Mal abgesehen davon, dass wir Till Schweiger schon seit langem weder einen Star-Status und schon gar nicht einen besonderen Style attestieren können (es sei denn, ein festgefrorenes Grinsen im Gesicht deutete man so), ist seine Aussage einfach – auf gut deutsch, sorry Till, – hahnebüchener Unsinn.

Nicht nur, dass man den leichten Eindruck bekommt, dass er gar nicht so genau wüßte, was Polygamie ist (mehrere Partner nebeneinander, nicht nacheinander, ne ?), nein seine Aussage ist an sich inhaltlich untragbar. Der erste Teil mag ja seine eigene Meinung sein und sein (bewegtes Mann-) Sexualleben geht ja eigentlich keinen etwas an. Mir ist zwar nicht bekannt, dass er selbst mit mehreren Partnern gleichzeitig leben würde, aber sei es drum. Angeblich sei er zudem ja eher der schüchterne Typ. Passt alles zwar irgendwie nicht, aber gut, sei es drum (oder sind stille Wasser doch tief ?) Ad acta.

Aber dass was er im zweiten Teil mit der Kirche behauptet, ist mal wieder Ausdruck eines dumpfen Hasses auf den Sündebock Kirche (zumeist die katholische natürlich, nicht etwa die orthodoxe) und wie mir scheint, Ausdruck eines allgemeinen Hasses auf alles, was menschliches Leben gewissen Regeln, oder sagen wir Vorbildern eher, unterwirft. Dazu ein einfaches Gedankenspiel: wenn die Kirche wirklich die Monogamie erfunden hätte, warum leben dann heute, in einer Zeit, wo sich kaum einer noch freiwillig irgendwelchen institutionellen Zwängen im Alltag unterwerfen muss, immer noch die grosse Mehrzahl der Menschen freiwillig in einer Zweier-Beziehung ? Haben die alle Angst vor Exkommunikation? Wieviele Menschen sind denn noch wirklich strenggläubig in westlichen Gesellschaften ? Mag sein, dass diese Beziehungsform (im besonderen ein heterosexuell, bis zum Tode verheiratetes Pärchen) die bevorzugte Lebensgemeinschaft für die Kirche ist, aber das doch auch nicht ohne Grund. Die Kirche sieht die Ehe (und konsequent die Zweierbeziehung) als Keimzelle menschlichen Lebens und überdies als sakramental an, d.h. von Gott als gut gewollt und sinnvoll für die Erziehung und das Zusammenleben mit den daraus hervorgehenden Kindern. Oder wollten sie als Kind gerne mehrere Mama-Personen haben ? „Mammae“ ist die lat. Bezeichnung für die weibliche Brust, und drückt damit ja schon im Wort die Säuge-Funktion und die Einmaligkeit der Mutter-Kind-Beziehung aus. Und nein, wir werden nicht von Eva Hermann bezahlt, aber es stimmt wirklich, auch die Wissenschaft hat in neuerer Zeit gerade immer wieder dieses manchmal rätselhafte, enge Kind-Mutter-Bindungsphänomen erforscht und die Bedeutung dessen für die frühkindliche Entwicklung hervorgehoben. Und Schweiger fordert ja gar,  in der Pose des Frauenrechtlers, in einem späteren Teil des Interviews, dass auch Frauen sich mehrere Partner auf einmal gönnen sollten. Tun sie doch schon längst, mag da manch einer auf den gestiegenen Anteil auch fremdgehender Frauen in Partnerschaften verschmitzt hinweisen, doch so lustig ist das ganze dann meist im echten Leben nicht. Wer mal nachts „Domian“ auf 1live eingeschaltet hat, der weiss wovon ich rede. Der aus diesen Dingen resultierende Vaterschaftstest und die ewigen Querelen darum mögen als feiner Hinweis genügen.

Wie gesagt: jeder soll im Prinzip leben, wie ihm lustig ist, solange er keinem dabei schadet, aber dennoch gibt es Sinnvolles und weniger sinnvolle Dinge, die man tun kann. Die Kirche will nicht, dass wir alle wie Heilige leben, denn das sind wir nicht (und auch die Kirche selbst gesteht mittlerweile Fehler ein), sie zeigt lediglich einen Weg auf, der in ihren Augen (und in denen vieler anderer) ein Vorbild für uns sein kann. Und nen Krieg ham wer im Moment auch nicht, wo ein Mann mehrere Frauen versorgen müsste, wie man oft von Muslimen als Argument für die Vielweiberei entgegengehalten bekommt.

Also Till: no offense, entspann dich, spiel lieber schau als Interviews zu geben – und lass die Finger von so Uwe-Boll Gurken wie „Far Cry„. Denn in manch anderen Produktionen warste ganz passabel. Und bei den guten deutschen Schauspielern wirds eh eng…

Bild copyright: imbd, wire image

1 Response to “Der „schüchterne“ Till”


  1. 1 thearcadier Dezember 18, 2008 um 12:23 am

    Sehr guter Artikel. Hast ja doch noch auf sehr elegante Artu nd Weise die Kurve bekommen, bevor es in den Klatsch und Tratsch-Graben ging.

    Ich glaube ja, dass solch sinnfreie Blüten dem Interview-Wahn geschuldet sind. Immer und überall werden Stars nach ihrer Meinung zu Themen gefragt von denen sie keine Ahnung haben, was aber irgendwie keinen dieser Pseudo-Journalisten irgendwelcher elendigen Klatschblättchen zu interessieren scheint.

    vin daher muss man sich nicht wundern, wenn dann so was dabei rauskommt…


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