Warum deutsche Medien versagen

Wir wollen heute einmal, anlässlich der unumgänglichen und seit Tagen erwarteten Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte, ein Streiflicht auf die deutsche Medienlandschaft werfen und aufzeigen, wie dort von sog. „Experten“ eine einseitige Propaganda und Schwarzmalerei ohnegleichen betrieben wird. Nehmen wir z.B. das gute, altehrwürdige zdf mit seinem Online-Angebot zur sich ebenso seriös gebenden „heute“-Sendung und schauen wir uns einmal an, was ein gewisser Seppel, äh, Sippel, seines Zeichens Karl Sippel, da so von sich geben darf.

Es fängt schon an mit der provokativen Überschrift:

Warum Israel den Krieg nicht gewinnen kann

Experten sind skeptisch: „Hamas ist nicht zu besiegen“

Aha. Israel kann also gar nicht gewinnen. Hat es wohl verlernt, seit dem Sechs-Tage-Krieg. Schon ist der Leser damit einseitig in eine Richtung gestimmt, die Skepsis wird ihm quasi aufgedrückt. Diese hinten offenen „Warum..“ Sätze sind übrigens seit einiger Zeit in allen Medien überaus populär geworden, wahrscheinlich hält man die Leserschaft schon für zu verblödet, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das hier zweckentfremdete Fragewort „Warum“ suggeriert nämlich unterbewußt, das eine Tatsache eigentlich schon feststeht und man jetzt nur noch die genauen Gründe quasi wie in Listenform nachliefert. Und im Subtitel wird einem auch noch schön das Wort „Experten“ untergeschoben, ein Signal dafür, dass man das Gehirn jetzt ja gleich abstellen kann, denn nun folgt – aufgepasst – unantastbares Profi- und Faktenwissen. Und auch inhaltlich gibt es schon hier die volle Depressions-Kost: Eigentlich hat gegen die Hamas keiner eine Chance. Vielleicht hätte man es sogar noch in substantiviertem Latein-ähnlichem Deutsch so ausdrücken sollen: Die Hamas ist eine nicht zu Besiegende. Aber nun weiter im Text:


„Israelische Truppen liefern sich heftige Gefechte mit Hamas-Kämpfern – auf den ersten Blick ein ungleicher Kampf: Hochmoderne Panzer und Kampfhubschrauber rücken gegen Männer mit Kalaschnikows und einfachen Panzerfäusten vor. Aber der Schein trügt.“

Oh-ho-ho. Was will uns das sagen? Beware of the underdog. Warum wurden eigentlich Kampfpanzer und Hubschrauber erfunden, wenn ihre Kampfkraft so gering ist ? Es ist ja noch kein wirklicher Häuserkampf – bis zum Zentrum Gazas ist man ja noch nicht vorgedrungen. Dort ist natürlich auch ein RPG- oder ein AK47-Kämpfer in einer besseren Position, aber auch nur deshalb, weil mit Rücksicht auf die Zivilbevölkerung von den Panzern und Hubschrauber nicht alles in Schutt und Asche gelegt wird. Wäre dies ein Konflikt nach den Regeln des WWII, dann wäre für die Hamas Schluss mit lustig. Aber nein, der Schein trügt natürlich.

„Denn die Hamas setzt auf Guerilla-Methoden, die die Hisbollah-Miliz im Libanon-Krieg schon gegen Israel eingesetzt hat. Damals musste Israel sich aus dem Libanon zurückziehen, ohne sein Kriegsziel erreicht zu haben: die Befreiung zweier entführter Soldaten.“

Ja, damit geben sie heute noch alle an, die Israelkritiker. Der glorreiche „Erfolg“ der Hisbollah. Aber wenn man genauer hinschaut, haben die ja auch nichts gewonnen in diesem Krieg. Militärisch wurden sie geschwächt und würden sie nicht vom Iran heimlich unterstüzt, dann wäre Israel vielleicht mehr Erfolg beschieden gewesen. Aber durch die Halbherzigkeit des Vorgehens und die auch damals schon grosse Kritik aus dem Ausland wurde die Offensive nicht erfolgreich abgeschlossen, so müsste man es wohl formulieren. Die entführten Soldaten wurden übrigens feige und heimtückisch ermordet und die Familien später bei der Austauschaktion (gegen eine Überzahl islamistischer Gefangener) über diese Tatsache getäuscht und im Unklaren gelassen.

„Auch in diesem Kampf wird es für Israel schwer werden, seine Ziele zu erreichen, meint Gunter Mulack, Direktor des Deutschen Orient-Instituts. „Der Beschuss Israels müsste vollständig aufhören und Israel müsste die Rädelsführer der Hamas ausschalten.“ Nur dann wäre die Bodenoffensive für Israel tatsächlich ein Erfolg.“

Schwer ist nicht gleich unmöglich, liebe Leute. Alles Wichtige im Leben zu erreichen ist mehr oder weniger schwer, man muss es aber versuchen. Genau deshalb strengt sich Israel ja diesmal so an.

„Doch das sei schwer zu erreichen. Denn auch wenn es Israel gelänge, die gesamte Führungsebene der Hamas auszuschalten, sei die Organisation noch lange nicht am Ende. „Die Hamas ist eine Hydra, man kann sie nicht besiegen“, sagt Mulack. Denn es stünden genug frustrierte radikalisierte junge Männer bereit, um die Plätze von getöteten Hamas-Mitgliedern einzunehmen. Ähnlich schätzt auch der Nahost-Experte Michael Lüders die Lage ein: „Die Hamas ist eine Massenbewegung und keine kleine Terrororganisation. Man kann sie nicht besiegen.““

Ok, schon wieder das Wort schwer. Was auch sonst. Mich würde mal interessieren, was diese Herren an Alternativvorschlägen zu bieten haben. Hurra, wir kapitulieren oder wie ? Oder kill them all ? Oder was ? Noch nie war in der Geschichte der Menschheit ein Volk, eine Armee, eine Ideologie oder was immer unbesiegbar. Die Stärke fängt ja im Kopf an, und wer seinen Gegner schon so überhöht, ob aus Angst vor dem radikalen Islam oder vor was auch immer, der spielt denen natürlich in die Hände und untergräbt die Hoffnung der freien Welt.

„Auch ein vollständiger Stopp des Beschusses Israels ist nach Meinung von Experten nur kurzfristig zu erreichen. „Vielleicht ist für die nächsten Monate Ruhe, aber langfristig wird sich sicher nichts ändern“, sagt Mulack. Grund dafür sei vor allem die einfache Bauart der Raketen. Viel mehr als ein paar Rohre brauche man dafür nicht. Zwar schwäche die Offensive die Infrastruktur der Hamas, aber langfristig werde sie wieder in der Lage sein, Raketen auf israelisches Gebiet abzufeuern.“

Schon wieder diese Mär von den Raketen im Selbstbausatz. Schon einmal mit ein paar Rohren versucht, eine Rakete im Garten zu basteln, die 25-40 km weit fliegt ? Die Dinger nannte man auch mal Stalinorgeln, oder je nach Typ Kassam bzw. Katjuscha-Raketen. Natürlich sind sie, verglichen mit modernen Explosivgeschossen, relativ einfach herzustellen, aber man braucht schon eine gewisse Infrastruktur dafür. Das Problem sind nicht nur einfach zu bauenden Raketen, das Problem ist die Hass-Ideologie und der Überschuss junger, aggressiver Männer ohne Zukunft (der sog. youth-bulge) in der arabischen Welt, die der gewaltbereite Islam nur allzu gern unter seine soziale Fittiche nimmt.

„Es wird keinen Sieger in diesem Krieg geben“, fasst Lüders seine Einschätzung der Lage zusammen. „Die Hamas wird kurzfristig den Raketenbeschuss einstellen und sich dann rächen – vielleicht sogar mit Selbstmordanschlägen in Israel.“ Profitiert von dem Krieg hätten bis jetzt nur die radikal-islamischen Organisationen im gesamten Nahen Osten, sagt Lüders. „Denn durch den Krieg werden die gemäßigten Kräfte geschwächt und die radikalen werden neue Anhänger dazu gewinnen.“

Man kann es fast schon nicht mehr hören. Die „gemäßigten Kräfte“. Phrasendreschmaschine, ick hör dir trappsen! Was in der Region des Nahen Ostens als gemäßigt gilt, würde man hier teilweise immer noch irgendwo zwischen Spätmittelalter und Frühkolonialzeit einordnen, so menschenrechtstechnisch betrachtet. Ich vermute ja, dass da ein schwerer Freud`scher Schuldkomplex irgendwo in der Geschichte unserer Zivilisation in den letzten 50 Jahren entstanden sein muss, der in etwa diesem Muster folgt: “ Tust du dich wehren, bist du schuld, weil du den anderen radikal werden lässt. Wehrst du dich nicht, tja, dann ist es eh egal, weil damit gestehst du deine Schuld und Minderwertigkeit ein und der andere wird dich mit Recht beherrschen.“ So wird eine Loose-Loose-Situation konstruiert, die keinen Platz mehr lässt für Hoffnung, Freiheit, Prosperität, Achtung menschlichen Lebens und dem Einstehen für diese Werte.

Traurig auch, dass uns ein öffentlich gefördertes Programm so etwas unter die Nase reibt. Und dann wundern wir uns, wenn uns als Nation dann German Angst, Naivität und Pessimismus nachgesagt wird! Also mich wundert nix mehr, selbst wenn morgen das ZDF verkündete, die Hamas habe in Mainz ihre erste Zweigstelle von Al-Aqusa TV eröffnet…

2 Responses to “Warum deutsche Medien versagen”


  1. 1 thearcadier Januar 5, 2009 um 6:14 pm

    Sehr gut zerpflückt. Ich fass mich da auch nur noch an den Kopf.
    Ich werd das mal verlinken gleich…
    Gruß
    Thearcadier


  1. 1 Quatsch mit Schnee « Der rote Hai Trackback zu Januar 5, 2009 um 7:44 pm

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