„200 Kilogramm mit Splittern, inschallah“

fritzg_terroristenprozessIn wenigen Tagen beginnt einer der größten Terrorprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik, und bislang ist die FAZ mit ihrer Online-Ausgabe das einzige Medium, dass schon jetzt vorab interessante und zugleich neue, erschreckende Details aus dem Todesplan der zum Islam konvertierten Attentäter veröffentlicht: „200 Kilogramm mit Splittern, inschallah, das macht ’nen Riesenbums“. Wer nach der Lektüre des Artikels immer noch glaubt, das wir ein Hafen der Glückseligkeit sind, dem ist nicht mehr zu helfen – das hätten wir vor zwei, drei Jahren noch gesagt. Mittlerweile ist es bis in die Wohnstuben und Kaminzimmer der Gutmenschen durchgedrungen, von daher erübrigte sich dieser Kommentar ja eigentlich. Allerdings hat man schon das Gefühl, dass unbequeme Wahrheiten in Deutschland immer noch gerne verdrängt werden, getreu einem anderen, bequemen Motto: „Mich wird`s schon nicht treffen. Und im Straßenverkehr sterben ja auch jeden Tag Dutzende.“ Kann man halt nichts machen, und Achselzucken…

Ach so, ja noch was: machen kann scheinbar auch die deutsche Justiz nicht so viel, jedenfalls nicht so viel, wie man meinen möchte. Am Ende des Artikels steht, die maximale Höchststrafe für einen der potentiellen Hundertfach-Massenmörder betrüge 15 Jahre Gefängnis! Oder, modern ausgedrückt, 15-mal  neue schwedische Pirate Bay-Server aufziehen, das brächte Sie für ungefähr dieselbe Zeitspanne hinter die gleichnamigen Gardinen. Argumentation: Aufgrund des erfolgten Zugriffes kam es ja dann noch nicht einmal zum Versuch, eine Explosion herbeizuführen – von daher bleibt nur „Verabredung zum Mord“ als Hauptstraftatbestand.  Justizlogik at its best!

3 Responses to “„200 Kilogramm mit Splittern, inschallah“”


  1. 1 thearcadier April 21, 2009 um 9:15 am

    Was ist denn hier los? Auf einmal so polemisch. Ehrlich gesagt gehöre ich auch zu letzteren:

    „Mittlerweile ist es bis in die Wohnstuben und Kaminzimmer der Gutmenschen durchgedrungen, von daher erübrigte sich dieser Kommentar ja eigentlich. Allerdings hat man schon das Gefühl, dass unbequeme Wahrheiten in Deutschland immer noch gerne verdrängt werden, getreu einem anderen, bequemen Motto: “Mich wird`s schon nicht treffen. Und im Straßenverkehr sterben ja auch jeden Tag Dutzende.” Kann man halt nichts machen, und Achselzucken…“

    Das hat aber nichts mit Gutmenschentum oder ähnlichem zu tun. Bei dem ganzen handelt es sich um eine sehr selektive Art der Wahrnehmung. Und irgendwie hab ich gerade das Gefühl, dass Ihr genau dieser Wahrnehmung erlegen seid. Würde über jeden Autounfall und Verkehrstoten so exessiv berichtet wie über vermeintliche oder tatsächliche Terroranschläge, sähe die Sache wahrscheinlich anders aus.

    Anderes Beispiel: Wenn heute in den Medien über Ernährung oder Nahrungsmittel berichtet wird, dann geht es meist um Skandale oder eine verfettende Gesellschaft. Nur sehr selten bis gar nicht wird erwähnt, dass Lebensmittel selten so sicher (also frei von Schimmelpilztoxinen und mit einem hohen Nährstoffgehalt) waren wie heute…

  2. 2 thearcadier April 21, 2009 um 1:51 pm

    Um das nochmal zu verdeutlichen: mir geht es nicht darum, die Existenz des Terrors wegzureden oder sogar zu verharmlosen. Ich habe nur das Gefühl (ne, ich nicht, das hatten Wissenschaftler, aber ich stimme ihnen da zu), dass die Wahrnehmung für wirkliche Gefahren mittlerweile weitgehend aus dem Ruder gelaufen ist. Habe hier etwas interessantes gefunden:

    http://roterhai.wordpress.com/2009/04/21/katzeschwanzbiss/

  3. 3 nseaprotector April 21, 2009 um 9:52 pm

    hallo thearcadier,

    hm…also Polemik als Selbstzweck soll eigentlich nicht unser Ziel sein, also wenn es so rübergekommen ist, dann müssen wir uns die Artikel nochmal durchlesen, ob vielleicht die Wortwahl manchmal zu harsch war. Das mag ja im Eifer des Gefechts passieren, ich denke jeder Blogbetreiber kennt das. Aber im Grundsatz kann ich das schon verteidigen, was da geschrieben steht, und ich will es auch begründen: Uns bewegt, eigentlich schon von Bestehen dieses Blogs an, die Tatsache, dass man in Deutschland (und nicht nur hier, das kann man ruhig auf weitere westeuropäische Staaten ausdehnen) gewisse Dinge einfach nicht sehen will bzw. nicht beim Namen nennen darf. Das macht ja den klassischen „Gutmenschen“ aus, dass über Definitionen von besetzten Begriffen er die Deutungshoheit über Sachverhalte erlangen möchte – mit dem Ziel der Reinwaschung von Problemen. Es darf unserer Meinung nach einfach nicht sein, Terrorismus – gerade den ins Haus geholten islamistischen – einfach als allgemeines Lebensrisiko wie z.B. den Straßenverkehr, zu betrachten. Das meinen wir mit „Achselzucken“. Denn selbst bei allg. Lebensrisiken wie im Straßenverkehr – und da wirst du mir sicher recht geben – wird alles wissenschaftlich und momentan mögliche versucht, Verkehrstote zu vermeiden oder Verletzungen zu mindern (sicherere Autos usw…). Das was wir positiven Fortschritt nennen.
    Natürlich kann man jetzt sagen, das ist selektive Wahrnehumng, potentiell zu Tode kommen kann man schließlich durch Myriarden von anderen Möglichkeiten (eine davon wäre sicherlich auch bei BSE, Vogelgrippe usw… leicht zu finden). Und das würden wir vl. auch, wenn nicht unablässig an Antibiotika, Lebensmitteltechnologie usw. geforscht werden würde – insofern gebe ich dir recht, die Nahrung ist ungleich besser geschützt vor Keimen heutzutage als noch vor 100 Jahren. Aber dieses Blog beschäftigt sich eben stark mit der Bedrohung der Freiheit des Westens, und nicht primär mit Nahrung jetzt z.B.. Es ist einfach der Fokus, den man halt setzt.

    Aber das heisst ja im Umkehrschluss nicht, dass man nicht auch dem Terrorismus die Stirn bieten sollte und „ihn“ nicht als gottgegeben hinnehmen muss. Auch da muss – gewissermaßen mit den Waffen der Vernunft, die der Westen hat – also mit Cleverness, Mut, und Ausprobieren an Verhinderungsmöglichkeiten geforscht werden. Kurz gesagt: der Westen darf sich nicht einfach alles gefallen lassen, alles geschehen lassen und das Intolerante tolerieren, worauf es bei z.B. den angesprochenen niedrigen Strafen ja hinausläuft. Somalische Piraten z.B. dürften keinen Cent von Lösegeld sehen usw., so einfach ist das eben.

    Noch zu dem Ranga Yogeshwar-Beitrag: Habe mal zumindest schnell eben den von dir eingebunden ersten Teil mir angeschaut. Ich schätze eigentlich Quarks & Co sehr, finde aber, ganz sauber wurde diesmal nicht recherchiert bzw. irgendwie wirkt der Beitrag verharmlosend. Als ob es den „foiled airliner plot“ nicht wirklich gegeben hätte, als ob gerade die am Ende angesprochenen Chemiewaffenfabriken niemals existiert hätten usw.. Auch ich finde die Begründung für den Irak-Krieg falsch, dennoch ist sehr wohl erwiesen, dass Saddam ein Chemiewaffen-Forschungsprogramm in Betrieb hatte und es wohl auch ausgebaut hätte, hätten ihn nicht Sanktionen usw. daran gehindert.
    Also einfach ein bisschen bemühtes Ziselieren, um den Sicherheitsbehörden Panikmache vorwerfen zu können. Die alte Orwellsche Angst halt irgendwie. Was, wenn die Behörden halt lieber einmal zu viel warnen als einmal zu wenig? Im Ernstfall sind wir alle dankbar. Gerade der Teil über die Sauerlandgruppe ist echt schlecht gemacht von der ARD. Liest man sich die Details mal wirklich durch, wird jedem klar, wie kurz wir vor einem Anschlag standen. Die weiteren fünf verhinderten Anschläge in Dtschl. der letzten Jahre werden erst gar nicht erwähnt.
    Wobei wie gesagt, habe nichts gegen solche Beiträge. Wachsamkeit ist immer gut, ob nun gegen den Staatsapparat oder die Terroristen. Wir sind beileibe „keine Schäublianer“. Und Wachsamkeit gegenüber den Medien auch. Daher auch die Kritik an der Kritik der Quarks&Co-Macher. Die Meta-Kritik sozusagen.
    Und die noch ausstehnden Teile werde ich mir noch anschauen, vielleicht ergibt sich dann ja ein anderes Bild.

    PS: Mir hat mal die Mutter einer Bekannten, die für die Sicherheitsüberprüfung von Flughafenmitarbeitern verantwortlich ist, erzählt, was sie an Akten und Einsichten auf den Tisch bekommt. Wen die alles nehmen (müssen), trotz erheblicher Zweifel um die Sicherheit (wegen zu erwartender Diskrim.klagen usw.). Gerade aus dem islamischen Dunstkreis. Da kannste nur beten, dass sie vl. doch das Leben mehr lieben als den Tod…


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