Archiv für Mai 2009

Gaga Wissenschaft: Kiezdeutsch als Chance

Also bei diesem Artikel auf Welt-Online stellen sich einem ja die Haare hoch. Ich hatte am Rande davon auf einem anderen Blog schon neulich mal etwas gelesen, mich aber zunächst nicht weiter damit beschäftigt, weil ich es für unglaubwürdig hielt. Aber es ist wohl anscheinend wahr:  die Potsdamer Germanistin Heike Wiese lädt zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung im Rahmen einer Tagung der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin, die sich wohl unter anderem mit dem deutsch-türkischen Pigdin beschäftigen wird, das allgemein unter „Kiezsprache“ bekannt sein soll. Schon diese Ausgangsbezeichnung finde ich problematisch, denn „Isch masch disch Messer“  (Achtung: laut welt performative Äußerung, Sie verstehen?) wird wohl keineswegs nur auf dem Kiez, also in Rotlicht-affinen Vierteln, gesprochen, sondern eher in sozial schwierigen Problemstadtteilen bzw. als Teil der mittlerweile gängigen Subproletariats-Jugendkultur in unseren sämtlichen Schulen allgegenwärtig ist.

Aber ich kann das natürlich nicht beurteilen, wer bin ich denn schon gegen die wahrscheinlich schon längst DFG-geförderten Herren und Damen Sprachwissenschaftler, deren sozial-integrative Weitsicht und Klugheit in der Analyse in solchem pseudo-wissenschaftlichem Geschwurbel zum Ausdruck kommt (folgende Zitate gemäß welt-online):

„Vielmehr überbiete das neue „Kiezdeutsch“, von Wiese als „multiethnischer deutscher Dialekt“ gekennzeichnet, vormalige Mischsprachformen wie die „Kanak Sprak“ oder das „Türkendeutsch“ durch Erfindungsreichtum und grammatikalische Finesse.“

„Der Synkretismus-Jargon sei nicht etwa von Herkunft oder Muttersprache der Nutzer abhängig, sondern lediglich vom Wohnort.“

„Alle Sprecher jener Gruppen, die „musstu“ und „lassma“ sagen, würden zwar meist auch Hochdeutsch beherrschen, es aber in einer subversiv gestimmten Souveränitätsvolte ausblenden.“ (Hervorhebungen durch mich)

Und das Fazit des welt-Artikel Autors ist auch nicht unbedingt geistreicher:  „Wie es scheint, kündigt sich eine neue sprachliche Internationale an. Vielleicht gehört ein Satz wie „Mein Vater geht Moschee mit Lederhose“ bald zum innovativen Witz-Standard im Migrantenstadl.“ Was für ein Schenkelklopfer, zum Totlachen!

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Mal was Off-Topic: Der Raab wurde geschlagen,…

sdr…und zwar so was von, dass man sich selbst als neutraler Fernsehzuschauer nur schwer eines breiten Grinsens erwehren konnte, als der Kandidat Nino Haase die von Raab unabsichtlich perfekt gelegte Billiardkugel mit dem letzten, entscheidenden Stoß um 1.30 nachts in der nahen Tasche versenkte. Ja, ich gebe es zu, ich bin einer dieser Verrückten, der sich diese telegene Form des modernen römischen Zweikampfs auch regelmäßig und gerne anschaut. Das Haase-gegen-Igel, ähem Pardon, -Raab Wettrennen, -skaten, -schwimmen, -fußballern, -raten ist auch einfach zu spannend. Ich möchte mal mit Verlaub behaupten, es ist tatsächlich im Moment die spannendste Samstagabend-Sendung im dt. Fernsehen (was vl. auch etwas über die Qualität des sonstigen Fernsehprogrammes einiges aussagt, wenn Sie so wollen). Hier aber einige psychologisch und philosophisch angehauchte Überlegungen meinerseits, was den Reiz und auch unbestrittenen Erfolg von Raab ausmacht – ja ihn sogar für die ARD und ihr erneutes Eurovisions-Debakel mit Alex sings, Oscar fu*** it up (oder so ähnlich) attraktiv gemacht hat:

1. Das personifizierte Duell-Prinzip: absolut ehrlich, absolut einfach, für jeden verständlich: das sind die Regeln, beide haben die gleichen Bedingungen, der Bessere gewinne. Wobei die Kandidaten in den Einspiel-Filmchen, so meint man vielleicht anfangs, sogar meist wahre Tausendsassas sind – sportlich, vielseitig, intelligent, geradezu heiß auf den Kampf mit Raab. Dieser hat natürlich, und das wissen jetzt alle nach den vielen Shows und seiner Erfolgsserie, den psychologischen Vorteil, nicht so nervös sein zu müssen und er ist eben eine wahre Kämpfernatur, die niemals aufgibt. Und er kennt sich bei Promi-Raten usw. meist besser aus. Also quasi gleichgezogen mit dem Kandidat – das garantiert eine spannende Ausgangslage.

2. Der Abwechslungsreichtum der Show: die Produzenten lassen sich immer wieder mal etwas neues einfallen, kein Spiel ist wie das andere, auch nicht wie die anderen der vorangegangenen Shows. Sportspiele wechseln mit Wissensspielen ab, das Tempo ist meistens hoch, d.h. bis auf die unsäglichen Werbepausen und die Nerv-Mitmach-Aufforderungen gibt es kaum Unterbrechungen. Die Kürze der Spiele sorgt für stete Abwechslung (gut, außer man verschätzt sich mal wie beim englischen Fußball in der vorletzten Sendung, das kein Ende zu nehmen schien). Und oft sind wirklich innovative oder zumindest modifizierte Regeln bei den Sportspielen dabei, die alles noch interessanter machen.

3. Die ausgeklügelte Punktevergabe: bei jedem der insgesamt 15 Einzelspiele gibt es mehr Punkte zu holen als bei den jeweils vorangegangenen, bereits ausgetragenen Spielen des Abends. Dadurch besteht, zumindest wenn man nicht in Riesenrückstand gerät, immer die Chance, mit dem nächsten Spiel wieder mit dem Gegner gleichzuziehen oder sogar aufzuholen. Dadurch bleibt es bis zum Schluß spannend, und oft, wie man zuletzt gesehen hat, entscheidet dann das oder die letzten Spiele über Sieg oder Niederlage. Nicht nur, dass dies geschickterweise Pro7 einen langen Werbeabend und eine hohe Quote sicherstellt, nein – es weckt eben auch die archaischen A Fight to the death– Reminiszenzen im menschlichen Gehirn. Man sieht ja förmlich, wie die Kandidaten sich physisch verausgeben und wie manchmal dann doch die Kopfstärke am Ende ein Duell entscheiden kann. Und es geht ja mittlerweile auch um Unsummen, die man als Privatmensch nie im Leben sich selbst  verdienen oder erkämpfen könnte (außer man zieht eine kriminelle Karriere in Betracht).

4. Die Witzigkeit und Spontanität der Show: Es ist manchmal schon zum Totlachen, wie ernst da von einer professionellen Stimme besonders die Sportspiele kommentiert werden, gerade so, als wäre man auf einer Weltmeisterschaft und schaute Profis zu. Da es aber keine geübten Profis sind, fällt ja oft deren Hilflosigkeit in den Spielen ins Auge und erheitert ungemein. Auch wie ernst da immer nachgefragt und jedes Detail erklärt wird, ist schon kurios, aber eben richtig witzig. Der Live-Charakter der Show und die Showfigur Raab tragen dazu natürlich das ihre bei.

Also wenn das so weitergeht, prophezeihe ich Raab mal eben so jetzt einen ganz bekannten Sendeplatz Samstags um 20.15 beim ZDF. Wer hätte das gedacht.

Nur eine Frage bleibt offen: was macht das arme Schwein, das die 6 (!) -in Worten: sechs – Autos da auf einmal gewonnen hat? Die Parkplatzsuche wird – uh, hm…sagen wir vertrackt…

4 Islam-Konvertiten wollten heute Anschläge in NYC durchführen

FoiledplotBetonung liegt auf wollten, zum Glück. Alle vier wurden heute von FBI-Beamten festgenommen, als sie, bewaffnet mit vermeintlichem C4-Plastiksprengstoff und Stinger Boden-Luft Abwehrraketen, zur Tat schreiten wollten. Die Waffen und der Sprengstoff waren zuvor von Informanten unbrauchbar gemacht worden, dennoch wurden ihnen die Sachen im Glauben, dass sie funktionieren, von den Terroristen abgekauft. Damit sollten heute zwei Synagogen in NYC und Flugzeuge auf einer Militärbasis beschossen bzw. abgeschossen werden.  Alle vier sind sog. „homegrown terrorists“, heißt es, und stünden schon seit einem Jahr unter Beobachtung der Bundesbehörden. Dies ist die aktuelle Faktenlage, soweit bekannt. Was wieder einmal auffällt:

Während die amerikanischen Nachrichtensender naturgemäß als erste und relativ professionell darüber berichten, sogar die vier islamischen Decknamen der Terrroristen nennen, schafft es Spiegel Online mal wieder, in seinem langen Artikel das Wort „Islam“ oder „islamistischer Terrorismus“ mit keinem einzigen Wort dabei zu erwähnen. Statt dessen macht man sich bei der Redaktion Sorgen, dass den Männern wohl lange Haftstrafen drohen. Mehr muss man zum Thema deutsche Medien im Jahre acht nach 9/11 wohl nicht sagen, leider…

Photo, Quelle: abc-news.com


Zitat der Woche

All the great things are simple, and many can be expressed in a single word: freedom, justice, honor, duty, mercy, hope. (Winston Churchill)

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