Archive for the 'Medienkritik' Category

Gaga Wissenschaft: Kiezdeutsch als Chance

Also bei diesem Artikel auf Welt-Online stellen sich einem ja die Haare hoch. Ich hatte am Rande davon auf einem anderen Blog schon neulich mal etwas gelesen, mich aber zunächst nicht weiter damit beschäftigt, weil ich es für unglaubwürdig hielt. Aber es ist wohl anscheinend wahr:  die Potsdamer Germanistin Heike Wiese lädt zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung im Rahmen einer Tagung der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin, die sich wohl unter anderem mit dem deutsch-türkischen Pigdin beschäftigen wird, das allgemein unter „Kiezsprache“ bekannt sein soll. Schon diese Ausgangsbezeichnung finde ich problematisch, denn „Isch masch disch Messer“  (Achtung: laut welt performative Äußerung, Sie verstehen?) wird wohl keineswegs nur auf dem Kiez, also in Rotlicht-affinen Vierteln, gesprochen, sondern eher in sozial schwierigen Problemstadtteilen bzw. als Teil der mittlerweile gängigen Subproletariats-Jugendkultur in unseren sämtlichen Schulen allgegenwärtig ist.

Aber ich kann das natürlich nicht beurteilen, wer bin ich denn schon gegen die wahrscheinlich schon längst DFG-geförderten Herren und Damen Sprachwissenschaftler, deren sozial-integrative Weitsicht und Klugheit in der Analyse in solchem pseudo-wissenschaftlichem Geschwurbel zum Ausdruck kommt (folgende Zitate gemäß welt-online):

„Vielmehr überbiete das neue „Kiezdeutsch“, von Wiese als „multiethnischer deutscher Dialekt“ gekennzeichnet, vormalige Mischsprachformen wie die „Kanak Sprak“ oder das „Türkendeutsch“ durch Erfindungsreichtum und grammatikalische Finesse.“

„Der Synkretismus-Jargon sei nicht etwa von Herkunft oder Muttersprache der Nutzer abhängig, sondern lediglich vom Wohnort.“

„Alle Sprecher jener Gruppen, die „musstu“ und „lassma“ sagen, würden zwar meist auch Hochdeutsch beherrschen, es aber in einer subversiv gestimmten Souveränitätsvolte ausblenden.“ (Hervorhebungen durch mich)

Und das Fazit des welt-Artikel Autors ist auch nicht unbedingt geistreicher:  „Wie es scheint, kündigt sich eine neue sprachliche Internationale an. Vielleicht gehört ein Satz wie „Mein Vater geht Moschee mit Lederhose“ bald zum innovativen Witz-Standard im Migrantenstadl.“ Was für ein Schenkelklopfer, zum Totlachen!

Mal was Off-Topic: Der Raab wurde geschlagen,…

sdr…und zwar so was von, dass man sich selbst als neutraler Fernsehzuschauer nur schwer eines breiten Grinsens erwehren konnte, als der Kandidat Nino Haase die von Raab unabsichtlich perfekt gelegte Billiardkugel mit dem letzten, entscheidenden Stoß um 1.30 nachts in der nahen Tasche versenkte. Ja, ich gebe es zu, ich bin einer dieser Verrückten, der sich diese telegene Form des modernen römischen Zweikampfs auch regelmäßig und gerne anschaut. Das Haase-gegen-Igel, ähem Pardon, -Raab Wettrennen, -skaten, -schwimmen, -fußballern, -raten ist auch einfach zu spannend. Ich möchte mal mit Verlaub behaupten, es ist tatsächlich im Moment die spannendste Samstagabend-Sendung im dt. Fernsehen (was vl. auch etwas über die Qualität des sonstigen Fernsehprogrammes einiges aussagt, wenn Sie so wollen). Hier aber einige psychologisch und philosophisch angehauchte Überlegungen meinerseits, was den Reiz und auch unbestrittenen Erfolg von Raab ausmacht – ja ihn sogar für die ARD und ihr erneutes Eurovisions-Debakel mit Alex sings, Oscar fu*** it up (oder so ähnlich) attraktiv gemacht hat:

1. Das personifizierte Duell-Prinzip: absolut ehrlich, absolut einfach, für jeden verständlich: das sind die Regeln, beide haben die gleichen Bedingungen, der Bessere gewinne. Wobei die Kandidaten in den Einspiel-Filmchen, so meint man vielleicht anfangs, sogar meist wahre Tausendsassas sind – sportlich, vielseitig, intelligent, geradezu heiß auf den Kampf mit Raab. Dieser hat natürlich, und das wissen jetzt alle nach den vielen Shows und seiner Erfolgsserie, den psychologischen Vorteil, nicht so nervös sein zu müssen und er ist eben eine wahre Kämpfernatur, die niemals aufgibt. Und er kennt sich bei Promi-Raten usw. meist besser aus. Also quasi gleichgezogen mit dem Kandidat – das garantiert eine spannende Ausgangslage.

2. Der Abwechslungsreichtum der Show: die Produzenten lassen sich immer wieder mal etwas neues einfallen, kein Spiel ist wie das andere, auch nicht wie die anderen der vorangegangenen Shows. Sportspiele wechseln mit Wissensspielen ab, das Tempo ist meistens hoch, d.h. bis auf die unsäglichen Werbepausen und die Nerv-Mitmach-Aufforderungen gibt es kaum Unterbrechungen. Die Kürze der Spiele sorgt für stete Abwechslung (gut, außer man verschätzt sich mal wie beim englischen Fußball in der vorletzten Sendung, das kein Ende zu nehmen schien). Und oft sind wirklich innovative oder zumindest modifizierte Regeln bei den Sportspielen dabei, die alles noch interessanter machen.

3. Die ausgeklügelte Punktevergabe: bei jedem der insgesamt 15 Einzelspiele gibt es mehr Punkte zu holen als bei den jeweils vorangegangenen, bereits ausgetragenen Spielen des Abends. Dadurch besteht, zumindest wenn man nicht in Riesenrückstand gerät, immer die Chance, mit dem nächsten Spiel wieder mit dem Gegner gleichzuziehen oder sogar aufzuholen. Dadurch bleibt es bis zum Schluß spannend, und oft, wie man zuletzt gesehen hat, entscheidet dann das oder die letzten Spiele über Sieg oder Niederlage. Nicht nur, dass dies geschickterweise Pro7 einen langen Werbeabend und eine hohe Quote sicherstellt, nein – es weckt eben auch die archaischen A Fight to the death– Reminiszenzen im menschlichen Gehirn. Man sieht ja förmlich, wie die Kandidaten sich physisch verausgeben und wie manchmal dann doch die Kopfstärke am Ende ein Duell entscheiden kann. Und es geht ja mittlerweile auch um Unsummen, die man als Privatmensch nie im Leben sich selbst  verdienen oder erkämpfen könnte (außer man zieht eine kriminelle Karriere in Betracht).

4. Die Witzigkeit und Spontanität der Show: Es ist manchmal schon zum Totlachen, wie ernst da von einer professionellen Stimme besonders die Sportspiele kommentiert werden, gerade so, als wäre man auf einer Weltmeisterschaft und schaute Profis zu. Da es aber keine geübten Profis sind, fällt ja oft deren Hilflosigkeit in den Spielen ins Auge und erheitert ungemein. Auch wie ernst da immer nachgefragt und jedes Detail erklärt wird, ist schon kurios, aber eben richtig witzig. Der Live-Charakter der Show und die Showfigur Raab tragen dazu natürlich das ihre bei.

Also wenn das so weitergeht, prophezeihe ich Raab mal eben so jetzt einen ganz bekannten Sendeplatz Samstags um 20.15 beim ZDF. Wer hätte das gedacht.

Nur eine Frage bleibt offen: was macht das arme Schwein, das die 6 (!) -in Worten: sechs – Autos da auf einmal gewonnen hat? Die Parkplatzsuche wird – uh, hm…sagen wir vertrackt…

4 Islam-Konvertiten wollten heute Anschläge in NYC durchführen

FoiledplotBetonung liegt auf wollten, zum Glück. Alle vier wurden heute von FBI-Beamten festgenommen, als sie, bewaffnet mit vermeintlichem C4-Plastiksprengstoff und Stinger Boden-Luft Abwehrraketen, zur Tat schreiten wollten. Die Waffen und der Sprengstoff waren zuvor von Informanten unbrauchbar gemacht worden, dennoch wurden ihnen die Sachen im Glauben, dass sie funktionieren, von den Terroristen abgekauft. Damit sollten heute zwei Synagogen in NYC und Flugzeuge auf einer Militärbasis beschossen bzw. abgeschossen werden.  Alle vier sind sog. „homegrown terrorists“, heißt es, und stünden schon seit einem Jahr unter Beobachtung der Bundesbehörden. Dies ist die aktuelle Faktenlage, soweit bekannt. Was wieder einmal auffällt:

Während die amerikanischen Nachrichtensender naturgemäß als erste und relativ professionell darüber berichten, sogar die vier islamischen Decknamen der Terrroristen nennen, schafft es Spiegel Online mal wieder, in seinem langen Artikel das Wort „Islam“ oder „islamistischer Terrorismus“ mit keinem einzigen Wort dabei zu erwähnen. Statt dessen macht man sich bei der Redaktion Sorgen, dass den Männern wohl lange Haftstrafen drohen. Mehr muss man zum Thema deutsche Medien im Jahre acht nach 9/11 wohl nicht sagen, leider…

Photo, Quelle: abc-news.com

Zum Amoklauf in Winnenden: Versuch einer politisch inkorrekten Nachbetrachtung

Schockiert hat uns alle dieser unvorstellbar brutale Amoklauf von Winnenden letzte Woche, und die Trauerphase hat für viele Menschen, Angehörige und mittel- oder unmittelbar Betroffenen noch nicht einmal begonnen, da setzt auch schon die öffentliche Diskussion ein und es hagelt von überallher „Querschüsse“, wenn man dieses waffenstrotzende Wort einmal im übertragenen Sinn benutzen will. Natürlich war das zu erwarten – so ist es ja immer schon gewesen, ob nach „Erfurt“ oder „Emsdetten“, wo ja bekanntlich auch ein schärferes Waffengesetz daraus resultierte – aber ich erinnere mich auch noch an die Zeiten, als wir in Deutschland noch eine Insel der Glückseligen waren und hämisch mit dem Finger auf die Amokläufe in den USA gezeigt und die dortige Waffenverbreitung als Grundübel der Welt ausgemacht wurde. Nun haben wir jedoch ein schärferes Waffengesetz (wenn ich richtig informiert bin, sogar eines der schärfsten in ganz Europa), wir haben ganze Heerscharen von Schulpsychologen, Sozialarbeitern, Gewaltpräventions- und Antiaggressionstrainings, – ja, RTL schickt deutsche Kinder sogar in den Wilden Westen, um dort asoziales und gewaltstrotzendes Verhalten gruppendymnamisch auszutherapieren – und dennoch passierte „Winnenden“ (und „Wendlingen“, das mittlerweile irgendwie sogar schon wieder vergessen wird, zu erwähnen)! Nur eines steht mittlerweile fest: in unserer Trauer und Hilflosigkeit suchen wir nach einer Antwort auf die Frage „Warum“, nach einer schnellen, plausiblen Antwort möglichst – und erkennen doch nicht, dass selbst die Antwort darauf quasi tautologisch selbst wieder keine Antwort wäre. Denn jedes mögliche logische Motiv (das sich um die Haupt-„Übeltäter“ Computerspiele, Waffenbesitz, Psychische Erkrankung, Erziehung, dreht im Moment) wäre keines, das einen Amoklauf logisch macht. Denn sonst müsste jeder, der Far Cry 2 auf seiner Platte hat, von seiner Freundin verlassen wurde, Depressionen durchmacht oder im Schützenverein ist, zum Amokläufer mutieren. Eventuell ist es in diesem Fall ein Faktorenmix, sehr wahrscheinlich liegt auch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bei dem Amokschützen vor, aber selbst all dies zusammen erklärt nicht das Unerklärliche. Warum können wir Menschen es nicht akzeptieren, nicht auf alles eine Antwort haben zu können ? Die Kirchen sind bezeichnenderweise auch wieder voll in diesen Tagen, denn für viele ist eine religiöse Hinwendung wieder wichtig. Dabei geht es nicht, wie man vordergründig meinen könnte, um eine Hilfe im Sinne von Begreifen: denn vielleicht mögen manche auch tiefer, philosophischer fragen: Wenn es einen Gott gibt, warum lässt er, sogar und gerade er, es dann zu, dass junge Menschen von einer auf die andere Sekunde grausam aus dem Leben gerissen werden ? Vielleicht sind einige enttäuscht, es zu hören, aber es ist dann die falsche Fragestellung, denn „ER“ lässt gar nichts zu oder auch nicht nicht zu, wir sind lediglich Seiner Barmherzigkeit unterworfen. Es sind immer die Aktionen von Menschen, die anderen etwas antun, die elementare Gesetze wie Nächstenliebe, Tötungsverbot usw. verletzen, aus welchen Gründen auch immer. Immer wollen wir jemanden verantwortlich machen, am besten jemand anderen, ob dies Gott sei, oder die Waffenlobby oder wen auch immer, statt selbst verantwortlich zu handeln. Und verantwortlich handeln, heisst eben nicht, polemisch und unüberlegt z.B. eine Verschärfung der Waffengesetze zu fordern. An dem Beispiel von Washington, D.C. hat sich gerade gezeigt, dass jahrzehntelanges Waffenverbot die Mordrate keineswegs senkte, so dass das Urteil gegen den privaten Waffenbesitz vom obersten Gerichtshof als Verstoß gegen das Second Amendment letztes Jahr erst aufgehoben wurde. Und zu Recht, wie dieser Artikel, wie ich finde, einleuchtend nahelegt.

Anstatt pauschal auf einzelne Aspekte von Jugendkultur (Computerspiele, „Horror“-Videos usw.) einzudreschen, ist es vielleicht zielführender, eine gesamtgesellschaftliche Debatte zu führen, die sich anhand der wenigen Fakten orientiert, die man hat: Ganz klar haben die Anzahl der Amokläufe in den letzten Jahren zugenommen, Fakt 1, und Fakt 2, es ist überwiegend ein Problem junger, männlicher Einzeltäter, die eine gewisse Faszination für Waffen und einen Hang zum Außenseiter-Dasein haben. Sind es, also sie, vielleicht die Opfer, die unsere schnelllebige, internet-basierte, mediensüchtige-, emotions-, religions- und werterelativistische Gesellschaft, zu Tätern aus ihrer Mitte werden lässt ? Die mit der Auflösung vertrauter Strukturen einhergehende Bedeutungslosigkeit des eigenen Ichs, der eigenen Stärken und des eigenen Selbstvertrauens sie in eine Welt abtauchen lässt, die normalen Menschen nicht mehr zugänglich ist ? Die uns aber auch, solange es nicht zum Eklat kommt, nicht im Geringsten interessiert und die mit der Kommunikationslosigkeit einer „Spaßgesellschaft“ zugedeckt wird ? Ich weiß es nicht, finde nur, darüber wäre es interessanter zu diskutieren, als von blindem Aktionismus geleitet, neue Wort-und Verwaltungsmonster wie „Erziehungspartnerschaften“ oder neue Gesetze zu schaffen.

Auch in Respekt und Trauer mit den Angehörigen der ermordeten Schüler, Schülerinnen und Lehrerinnen der Albertville-Realschule und den unbeteiligten Passanten, die Opfer des Amoklaufes wurden. Und auch in Trauer und Mitgefühl mit den Angehörigen des Täters, deren verlorener Sohn diese Familie in ganz besonderer Tragik für lange Zeiten ins Unglück gestürzt hat.

Obama-Hype: Jetz is aber mal gut, Leute!

Diese Meldung war es, die das Fass bei mir persönlich zum Überlaufen brachte: Obama hat sein Blackberry zurück. Na wie schön für ihn! Aber – was geht mich das an, was geht uns in Deutschland das an, was will mir diese Nachricht sagen ? Hey – der mächtigste Mann der Welt hat einen Spleen für ein mobiles Kommunikationsgerät der Firma RIM, das gefühlte 90 % aller Wirtschafts-Studenten spätestens auch schon nach dem Vordiplom ihr Eigen nennen. WoW (und ich meine nicht World of Warcraft), es menschelt mal wieder im Weißen Haus. Das ist es, glaube ich, was uns dieser Artikel und die geschätzten 10.000 anderen „Obama hat – Obama macht – Obama ist“ Artikel in den Nachrichten der letzten Wochen vermitteln wollen. Der dumme „deutsche Michel“ soll auch, jetzt endlich, nachdem es die Elite längst erkannt hat, sehen, dass ein neuer Wind weht im Weißen Haus. Der böse, böse Bush (bezeichnenderweise lief letzte Woche der grottige Stone-Film „W.“ auch schon im deutschen Free-TV bei Pro7) ist endlich weg, und jetzt kommt die Freude ins Herz der amerikanischen Machtzentrale zurück (BamS am Wochenende titelte: „Endlich wieder Sex im Weißen Haus“). Klar, Michelle ist trotz Schwimmerinnen-Kreuz natürlich ein ganzes Stück adretter als die werte Vorgängerin Laura, die steif wie die Queen an der Seite ihres Mannes den Amtsbesuchen trotzte. Aber, mal ehrlich, gibt es denn nur noch Euphorie ? Sind es nicht die Entscheidungen, ihre Auswirkungen und die Leistungen, die Schwierigkeiten, gegen die ein Präsident sich mit klugen Vorschlägen durchsetzen muß, die ihn zu einem großen Präsidenten machen ? Und muß man das nicht alles erst mal abwarten, gab es nicht einmal die berühmten ersten 100 Tage im Amt, nach denen dann geschaut wird ? Um nicht falsch verstanden zu werden: klar ist Obama ein junger, dynamischer und sympathisch auftretender Präsident, geradezu strotzend vor Elan, die Herausforderungen der vor ihm liegenden Krisen zu meistern. Natürlich hat er Vorschußvertrauen verdient, auch von Leuten wie mir z.B., die zunächst nicht unbedingt für ihn gevotet hätten. Aber muß man dazu permanent in Tageszeitungen auf Seite 1 lesen, was er gerne liest, isst, trinkt, mailt oder skypt ? Gerade wenn man seine erste Entscheidung, dem Iran die ausgestreckte Hand zu reichen, in all ihren Konsequenzen sich anschaut, muss man dann nicht vielleicht kritisch nachhaken ? Wenn ich höre, daß Mahmud Machmirdendschihad als Reaktion auf die Geste doch tatsächlich die Chuzpe hatte, eine Forderung nach der anderen an Amerika abzufeuern (getreu dem Motto: „Reichst du ihm den kleinen Finger, will er gleich die ganze Hand“), müsste man diese Entscheidung zumindest schon etwas kritischer reflektieren.

Wie gesagt, ich gönne und wünsche Barack Obama das allerbeste für seine Präsidentschaft, aber ich verabscheue es, mit welcher schleimerischen Verlogenheit gerade die deutsche Presse, die in den letzten acht Jahren selten ein gutes Haar an Amerika gelassen hat, mir nun einen Präsidenten als Messias verkaufen will. Und so viel kann ich schon prophezeihen: wenn die ersten, für unsere Gutmenschen unpopulären Entscheidungen des neuen „POTUS“ fallen werden, dann werden sie IHN fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel. Also: lasst den guten Mann doch einfach seine Sache erst einmal machen, und beurteilt Taten, Ergebnisse, Fakten usw. Vorher nehme ich keinem Journalisten seine neugewonnene Amerika-Liebe ab.

Warum deutsche Medien versagen

Wir wollen heute einmal, anlässlich der unumgänglichen und seit Tagen erwarteten Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte, ein Streiflicht auf die deutsche Medienlandschaft werfen und aufzeigen, wie dort von sog. „Experten“ eine einseitige Propaganda und Schwarzmalerei ohnegleichen betrieben wird. Nehmen wir z.B. das gute, altehrwürdige zdf mit seinem Online-Angebot zur sich ebenso seriös gebenden „heute“-Sendung und schauen wir uns einmal an, was ein gewisser Seppel, äh, Sippel, seines Zeichens Karl Sippel, da so von sich geben darf.

Es fängt schon an mit der provokativen Überschrift:

Warum Israel den Krieg nicht gewinnen kann

Experten sind skeptisch: „Hamas ist nicht zu besiegen“

Aha. Israel kann also gar nicht gewinnen. Hat es wohl verlernt, seit dem Sechs-Tage-Krieg. Schon ist der Leser damit einseitig in eine Richtung gestimmt, die Skepsis wird ihm quasi aufgedrückt. Diese hinten offenen „Warum..“ Sätze sind übrigens seit einiger Zeit in allen Medien überaus populär geworden, wahrscheinlich hält man die Leserschaft schon für zu verblödet, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das hier zweckentfremdete Fragewort „Warum“ suggeriert nämlich unterbewußt, das eine Tatsache eigentlich schon feststeht und man jetzt nur noch die genauen Gründe quasi wie in Listenform nachliefert. Und im Subtitel wird einem auch noch schön das Wort „Experten“ untergeschoben, ein Signal dafür, dass man das Gehirn jetzt ja gleich abstellen kann, denn nun folgt – aufgepasst – unantastbares Profi- und Faktenwissen. Und auch inhaltlich gibt es schon hier die volle Depressions-Kost: Eigentlich hat gegen die Hamas keiner eine Chance. Vielleicht hätte man es sogar noch in substantiviertem Latein-ähnlichem Deutsch so ausdrücken sollen: Die Hamas ist eine nicht zu Besiegende. Aber nun weiter im Text:


„Israelische Truppen liefern sich heftige Gefechte mit Hamas-Kämpfern – auf den ersten Blick ein ungleicher Kampf: Hochmoderne Panzer und Kampfhubschrauber rücken gegen Männer mit Kalaschnikows und einfachen Panzerfäusten vor. Aber der Schein trügt.“

Oh-ho-ho. Was will uns das sagen? Beware of the underdog. Warum wurden eigentlich Kampfpanzer und Hubschrauber erfunden, wenn ihre Kampfkraft so gering ist ? Es ist ja noch kein wirklicher Häuserkampf – bis zum Zentrum Gazas ist man ja noch nicht vorgedrungen. Dort ist natürlich auch ein RPG- oder ein AK47-Kämpfer in einer besseren Position, aber auch nur deshalb, weil mit Rücksicht auf die Zivilbevölkerung von den Panzern und Hubschrauber nicht alles in Schutt und Asche gelegt wird. Wäre dies ein Konflikt nach den Regeln des WWII, dann wäre für die Hamas Schluss mit lustig. Aber nein, der Schein trügt natürlich.

„Denn die Hamas setzt auf Guerilla-Methoden, die die Hisbollah-Miliz im Libanon-Krieg schon gegen Israel eingesetzt hat. Damals musste Israel sich aus dem Libanon zurückziehen, ohne sein Kriegsziel erreicht zu haben: die Befreiung zweier entführter Soldaten.“

Ja, damit geben sie heute noch alle an, die Israelkritiker. Der glorreiche „Erfolg“ der Hisbollah. Aber wenn man genauer hinschaut, haben die ja auch nichts gewonnen in diesem Krieg. Militärisch wurden sie geschwächt und würden sie nicht vom Iran heimlich unterstüzt, dann wäre Israel vielleicht mehr Erfolg beschieden gewesen. Aber durch die Halbherzigkeit des Vorgehens und die auch damals schon grosse Kritik aus dem Ausland wurde die Offensive nicht erfolgreich abgeschlossen, so müsste man es wohl formulieren. Die entführten Soldaten wurden übrigens feige und heimtückisch ermordet und die Familien später bei der Austauschaktion (gegen eine Überzahl islamistischer Gefangener) über diese Tatsache getäuscht und im Unklaren gelassen.

„Auch in diesem Kampf wird es für Israel schwer werden, seine Ziele zu erreichen, meint Gunter Mulack, Direktor des Deutschen Orient-Instituts. „Der Beschuss Israels müsste vollständig aufhören und Israel müsste die Rädelsführer der Hamas ausschalten.“ Nur dann wäre die Bodenoffensive für Israel tatsächlich ein Erfolg.“

Schwer ist nicht gleich unmöglich, liebe Leute. Alles Wichtige im Leben zu erreichen ist mehr oder weniger schwer, man muss es aber versuchen. Genau deshalb strengt sich Israel ja diesmal so an.

„Doch das sei schwer zu erreichen. Denn auch wenn es Israel gelänge, die gesamte Führungsebene der Hamas auszuschalten, sei die Organisation noch lange nicht am Ende. „Die Hamas ist eine Hydra, man kann sie nicht besiegen“, sagt Mulack. Denn es stünden genug frustrierte radikalisierte junge Männer bereit, um die Plätze von getöteten Hamas-Mitgliedern einzunehmen. Ähnlich schätzt auch der Nahost-Experte Michael Lüders die Lage ein: „Die Hamas ist eine Massenbewegung und keine kleine Terrororganisation. Man kann sie nicht besiegen.““

Ok, schon wieder das Wort schwer. Was auch sonst. Mich würde mal interessieren, was diese Herren an Alternativvorschlägen zu bieten haben. Hurra, wir kapitulieren oder wie ? Oder kill them all ? Oder was ? Noch nie war in der Geschichte der Menschheit ein Volk, eine Armee, eine Ideologie oder was immer unbesiegbar. Die Stärke fängt ja im Kopf an, und wer seinen Gegner schon so überhöht, ob aus Angst vor dem radikalen Islam oder vor was auch immer, der spielt denen natürlich in die Hände und untergräbt die Hoffnung der freien Welt.

„Auch ein vollständiger Stopp des Beschusses Israels ist nach Meinung von Experten nur kurzfristig zu erreichen. „Vielleicht ist für die nächsten Monate Ruhe, aber langfristig wird sich sicher nichts ändern“, sagt Mulack. Grund dafür sei vor allem die einfache Bauart der Raketen. Viel mehr als ein paar Rohre brauche man dafür nicht. Zwar schwäche die Offensive die Infrastruktur der Hamas, aber langfristig werde sie wieder in der Lage sein, Raketen auf israelisches Gebiet abzufeuern.“

Schon wieder diese Mär von den Raketen im Selbstbausatz. Schon einmal mit ein paar Rohren versucht, eine Rakete im Garten zu basteln, die 25-40 km weit fliegt ? Die Dinger nannte man auch mal Stalinorgeln, oder je nach Typ Kassam bzw. Katjuscha-Raketen. Natürlich sind sie, verglichen mit modernen Explosivgeschossen, relativ einfach herzustellen, aber man braucht schon eine gewisse Infrastruktur dafür. Das Problem sind nicht nur einfach zu bauenden Raketen, das Problem ist die Hass-Ideologie und der Überschuss junger, aggressiver Männer ohne Zukunft (der sog. youth-bulge) in der arabischen Welt, die der gewaltbereite Islam nur allzu gern unter seine soziale Fittiche nimmt.

„Es wird keinen Sieger in diesem Krieg geben“, fasst Lüders seine Einschätzung der Lage zusammen. „Die Hamas wird kurzfristig den Raketenbeschuss einstellen und sich dann rächen – vielleicht sogar mit Selbstmordanschlägen in Israel.“ Profitiert von dem Krieg hätten bis jetzt nur die radikal-islamischen Organisationen im gesamten Nahen Osten, sagt Lüders. „Denn durch den Krieg werden die gemäßigten Kräfte geschwächt und die radikalen werden neue Anhänger dazu gewinnen.“

Man kann es fast schon nicht mehr hören. Die „gemäßigten Kräfte“. Phrasendreschmaschine, ick hör dir trappsen! Was in der Region des Nahen Ostens als gemäßigt gilt, würde man hier teilweise immer noch irgendwo zwischen Spätmittelalter und Frühkolonialzeit einordnen, so menschenrechtstechnisch betrachtet. Ich vermute ja, dass da ein schwerer Freud`scher Schuldkomplex irgendwo in der Geschichte unserer Zivilisation in den letzten 50 Jahren entstanden sein muss, der in etwa diesem Muster folgt: “ Tust du dich wehren, bist du schuld, weil du den anderen radikal werden lässt. Wehrst du dich nicht, tja, dann ist es eh egal, weil damit gestehst du deine Schuld und Minderwertigkeit ein und der andere wird dich mit Recht beherrschen.“ So wird eine Loose-Loose-Situation konstruiert, die keinen Platz mehr lässt für Hoffnung, Freiheit, Prosperität, Achtung menschlichen Lebens und dem Einstehen für diese Werte.

Traurig auch, dass uns ein öffentlich gefördertes Programm so etwas unter die Nase reibt. Und dann wundern wir uns, wenn uns als Nation dann German Angst, Naivität und Pessimismus nachgesagt wird! Also mich wundert nix mehr, selbst wenn morgen das ZDF verkündete, die Hamas habe in Mainz ihre erste Zweigstelle von Al-Aqusa TV eröffnet…

Deutschland 2009: Die Hamas ist unter uns

islamischerfriede1So wie auf dem Bild nebenstehend sieht wohl islamischer Friede aus: eine israelische Fahne wird verbrannt, nein nicht im Ausland, sondern auf der bislang größten deutschlandweiten Demonstration gestern in Frankfurt am Main (angeblich 10.000 Teilnehmer). So weit ist es also schon gekommen in dem Land, dass einst für den Genozid an den Juden, für die Shoa und Staatsgründung Israels direkt ursächlich war. Aber wurden die beiden Testosteron-geschwängerten jungen Hamas-Symphatisanten da auf dem Bild etwa für ihre Straftat verhaftet ? Natürlich nicht, wäre ja auch ein Affront gegen das stolze Palästinenser-Volk. Und man sieht ja eindeutig, wie deutlich sich die Menge von dem Flaggen-verbrennenden Akt distanziert und angewidert abwendet *Ironie off*.

Aber wie wird in den Medien berichtet ? Wo man auch hinschaut, hinliest oder hinhört, ist immer die Betonung auf „friedlichen“ Demonstrationen. Aha, so sieht also die Aufforderung zu Frieden aus:  man verbrennt die Flagge seines Nachbarn, man nimmt den Sohnemann in Selbstmordattentäter-Verkleidung huckepack (wie neulich auf einer Pali-Demo), man skandiert Aufrufe zum Völkermord und zur Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und man benimmt sich auf den Demos wie die letzte Sau, ganz einfach. Hm, ok, ist vielleicht einen Tick nicht ganz so friedlich wie z.B. die Weltjugendtage der Katholiken. Aber, wie wir alle wissen, Hauptsache, es wurden keine Polizisten niedergeprügelt oder Autos angezündet wie in Frankreich über Silvester. Dann ist für uns Deutsche schon alles gut und die Pazifisten mit den grünen Flaggen und den karierten Küchentüchern Halstüchern treten brav per S-Bahn ihren Heimweg an, wie es der Pressebericht der Frankfurter Polizei so schön formuliert. Wie erbärmlich von der Hamas, für ihre treuen Anhänger abroad nicht mal ordentliche Transportmittel in der Klasse von Porsche Cayenne, Audi Q7s oder VW Touaregs organisieren zu können!

Bild Copyright: dpa, in fr-online (verkleinert)

Raketen und Böller – happy Silvester, Hamas!

kampfjetEigentlich wollten wir ja über Weihnachten oder sogar noch vor Weihnachten einen kleinen, besinnlichen, friedlichen Artikel über eben die Weihnachtszeit schreiben, schon beseelt von der festlichen Vorfreude auf die kommenden, erholsamen Tage. Dann kam aber doch der übliche Weihnachts-Endstress, und ehe man sich es versieht, ist das Fest der Liebe vorbei. Und vorbei ist es auch mit dem Frieden, zumindest in Nahost, von wo aus uns in diesen Tagen wieder einmal grausliche Bilder einholen. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir hier auf dem Blog wohl eher pro-israelisch eingestellt sind, aber diesmal zeigen sich die (guten) Gründe dafür wohl einmal wieder eklatant. Nicht dass das ein Grund für die restliche Medienwelt wäre, mal ihre Gehirnzellen vor dem Öffnen des Journalistenmundes einzuschalten, aber gut, dann tun wir es eben für sie. Der Ausgangspunkt dieser Argumentation ist ein simpler: die Hamas wusste ganz genau, was auf sie zukommen würde, wenn sie Israel weiter so provoziert, wie sie es in den letzten Tagen (und Wochen davor schon) getan hatte. Und provoziert ist noch harmlos ausgedrückt: welcher andere souveräne Staat auf dieser Erde würde es akzeptieren, wenn seine Bewohner von fremdem Boden aus ohne Unterlass, über Tage hinweg, mit selbstgebauten, aber durchaus tödlichen Raketen beschossen werden würden ? Wenn jeden Tag ein, zwei oder drei Häuser von Raketen weggesprengt werden würden ? Und wo war da der Aufschrei der internationalen Gemeinschaft ? Wo die Solidarität der Weltgemeinschaft ? Und Israel hat noch besonnen reagiert, hat zunächst gebettelt, gefleht, dann gewarnt, schließlich gedroht, und nun (endlich) wahrgemacht. Die Hamas hat sehenden Auges ihr Verderben geradezu heraufbeschworen, wie wenn sie einen schlafenden Löwen wecken wollte.

Natürlich kann man nun argumentieren, es treffe auch nun wieder Unschuldige und die vielbeschworenen „Zivilisten“. Natürlich wird nun versucht, alles zu relativieren, indem man schön neutral von „einer Spirale der Gewalt“ redet. Nur dass diesmal von einer Spirale keine Rede sein kann. Hamas hat angefangen, Israel reagiert, so sieht es aus und not the other way round. Feinmotoriker werden natürlich nun auch argumentieren, genau das sei der perfide Plan der Hamas, Gewalt anzustacheln, um die resultierende Wut der Gaza-Streifler wiederum für sich zu nutzen. Nur was ist das für ein Argument ? Folgte man dem, dürfte Israel nie und nimmer reagieren, weil alles gegen es verwendet werden kann. Be damned if you do and be damned if you don`t, sagt man im Englischen so schön. Israel muss, will es sich einen Funken Glaubwürdigkeit bewahren, nun reagieren, und zwar darf es nicht den Fehler aus dem Hisbollah-Krieg wiederholen, in dem es nur halbherzig vorgeht und schließlich verliert, moralisch sowie militärisch. Diesmal wird Israel alles daransetzen, der Hamas den Todesstoß zu versetzen, koste es was es wolle. Zum Glück besitzt das kleine, von arabischen Nachbarn umzingelte Land eine hohe technische Militarisierung, sonst würde es ja schon seit langem gar nicht mehr existieren. Auf seine westlichen Verbündeten kann es leider auch nicht mehr immer zählen, denn die Mehrheitsmeinung in der freien, westlichen Welt wird durch das palästinensische Selbstbemitleiden und Gejammere extrem gegen Israel in Stellung gebracht. Diese Propaganda-Maschinerie funktioniert scheinbar auch wunderbar, wie man an so Kommentaren wie dem von Sebastian Engelbrecht auf den Online-Seiten der ARD „bewundern kann“. „Mit Islamisten muss man sprechen„, pfui Deibel ARD, und für so etwas zahlt man noch die GEZ-Zwangsabschöpfungen!

Na ja, wie dem auch sei, es bleibt nur zu hoffen, dass Israel aus diesem Konflikt nun als militärischer und auch moralischer Sieger hervorgeht, alles andere wäre eine Katastrophe! Um die Gaza-gestreifte Propaganda zu durchbrechen, bedarf es natürlich hochmoderner, geradezu chirugischer Präzision bei den Kampfeinsätzen auf militärische Ziele der Hamas, was zugegeben eine schwierige Aufgabe wird, denn jeder „zivile“ Tote mehr wird von dieser natürlich minutiös ausgeschlachtet werden. Erste Demonstrationen in der arabischen Welt und Proteste von den „neutralen“ internationalen Organisationen zeigen, wie fruchtbar Mediensteuerung der Öffentlichkeit heutzutage funktioniert. Aber hey, they learned from the best, kann man da nur zynisch sagen. Und mit ebenso zynischem Gruss wünschen wir allen Terrororganisationen der Welt ein happy crackling Silvester – und allen friedliebenden und für Gerechtigkeit einstehenden Menschen, Soldaten und Angehörigen ein echtes frohes Neues 2009!

Bild-Copyright: militaryphotos.net, EasternKnight

Update: Eine hervorragende Bilderserie, die das ganze menschliche Elend dieses Krieges zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas, die ein ganzes Volk in Geiselhaft genommen hat, für beide Seiten dokumentiert, ist wieder einmal auf „The big picture“ von boston.com zu finden. Aber Vorsicht, es sind – erst auf Mausklick verfügbar – teilweise sehr schockierende Bilder darunter (graphic content), die die Grausamkeit von Krieg härter kaum einfangen konnten, die uns aber den Alltag für die Menschen dort unten vor Augen führen!

+++ Athen in Flammen +++ Und wie reagiert unsere Presse ?

feuersbrunstDas Stadtzentrum von Athen ist scheinbar komplett von „Autonomen“ –  neusprech für  linke Drecksäcke mit Spatzenhirnen, die moralisch für mich so ungefähr auf der gleichen Stufe wie Abu Ghraib Folterer stehen – in Brand gesteckt und „eingenommen“ worden, wie heute abend in allen Online-News zu lesen ist.  Bürgerkriegsähnliche Zustände. Das Auswärtige Amt rät von Griechenland-Reisen mittlerweile schon ab. Doch immer erfolgt noch keine moralische Einordnung der Vorfälle durch die gutmenschelnde Presse in Deutschland. Im Gegenteil. Von „Demonstranten“ ist die Rede. Klingt gut, demonstrieren ist Grundrecht. Autonome, auch so ein schönes Wort. Wer wäre nicht gerne autonom, unabhängig von allem ? Fehlt nur noch, dass man das Gesindel als „Autarke“ bezeichnet. Von Straßenschlachten ist die Rede, allenfalls von „Krawallen“, von „meist jugendlichen Demonstranten“. Jugend schützt vor Torheit nicht, schon klar. Aber implizit eine Verniedlichung. Bei aller Wut über den Tod des 15-jährigen Randalierers, der im Übrigen die Polizei mit angegriffen hat (generell schlechte Idee), das, was nun geschieht, ist eigentlich ein Fall für einen Großeinsatz der Polizei, eventuell des Militärs, um der Lage Herr zu werden. Der Staat hat schließlich die Pflicht, Leben und Hab seiner Bürger zu schützen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, selbst wenn niemand Unschuldiges noch sterben sollte bei dem Kleinkrieg nun, wieviel Millionen Euro an Sachwerten da vernichtet wurden. Wer zahlt das bitteschön? Wer rettet jetzt hunderte zerstörter Existenzen, zerstörter Arbeitsplätze, zerstörter Ausbildungsplätze, zerstörter Zukunftsträume? Warum verschafft sich der Staat hier nicht im Vorfeld Respekt? Warum sind wir auf dem linken Auge blind? Ist es das Ergebnis der Verhätschelung, ja gar Akzeptanz des linksradikalen Gedankengutes in Schulen und in Universitäten?

Das gilt nicht nur für Griechenland übrigens. Heute wurde das griechische Konsulati in Berlin besetzt. Es gab keine Festnahmen. Warum, bitteschön? Weil sie nix zerstört haben? Na dankeschön. Selbst wenn Sie morgen versuchen sollten, die Toilette von Burger King 8 Stunden zu besetzen, würde man Sie erstmal schön zur Wache begleiten. Warum messen wir mit zweierlei Maß? Warum können die sich etwas erlauben, was ihnen nicht zusteht? Ist es die Masse, die es macht? Hat man Angst vor der Jugend? Wieso verbrüdert sich dann die Presse mit diesen? Treten Autonome in ihrem späteren Leben alle ein Journalistikstudium an? Ich weiß es nicht, habe darauf bis jetzt noch keine befriedigende Antwort gefunden. Aber offensichtlich ist es ein Phänomen unserer Zeit.

Update: Die Situation gerät vollends außer Kontrolle. Hier gibt es noch einmal eine erschütternde Bilderserie: Athen, ein Flammenmeer

Und wollten Sie schon immer mal wissen, was eine richtige Sissi (slang, verächtlich für: ein feige handelnder Mensch) ist ?

Hier bitte, gefunden auf SpOn: „Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis berief in der Nacht eine Sondersitzung des Ministerrates ein. „Unsere erste Sorge war und ist, Menschenleben zu schonen“, sagte Innenminister Prokopis Pavlopoulos nach dem Treffen. Damit meinte er, dass es die Polizei unter den gegebenen Umständen nicht auf einen Nahkampf mit den Randalierern ankommen ließ, damit keine Menschenleben Gefahren ausgesetzt werden.“ (Hervorhebung von mir)

Bild: Copyright dpa

Wir sind wieder da ! und we didn`t start the fire…

trauerinisraelEs ist doch echt seltsam: kaum ist man mal für vielleicht 5-6 Wochen von der Blog-Bildfläche verschwunden, passieren so viele Dinge, die bloggenswert wären, wie fast das ganze Vierteljahr davor nicht. Und wirklich brandheisse Dinge, todtraurige Dinge, die einen schon die Frage stellen lassen, ob diese Welt im Umbruch ist, oder ob man einfach nur zu lange weg war, um schon so etwas wie „Geschichte“ verpasst zu haben. Aber erst einmal der Reihe nach:

Es fing noch vergleichsweise harmlos an: erst wurde einer, dann wurden Supertanker und Kreuzfahrtschiffe vor der somalischen Küste scheinbar im Minutentakt von Piraten überfallen. Und der brandheisse Verteidigungstipp dagegen scheint der ansonsten mit bis an die Zähne bewaffneten Fregatten und Kreuzern gesegnete Westen aus Mutters Suppenküche abgeguckt zu haben: glitschiges Öl über die Bordwand giessen, aber bitte kein heißes, nicht daß sich einer der Piratenseelchen noch daran verletze. Und beim Einsatz der nun zu Berühmtheit gelangten „Schallkanone“ ist im Übrigen dringend darauf zu achten, dass für den Fall der Fälle ein Hörgeräteakustiker mit an Bord ist, der die Piraten bei Hörsturz und Tinnitus dann fachgerecht beraten kann. Crazy, oder?

Dann die Finanzkrise, die scheinbar immer mehr um sich greift. Wer hypt hier eigentlich wen ? Spiegel Online hatte schon in weiser Vorraussicht vor Wochen den „Krisenticker“ eingerichtet, ganz oben, im Header der Webseite, damit man auch ja keine Krisensekunde verpasst. Dabei sahen die realwirtschaflichen Basisdaten bis vor ein paar Wochen noch ganz gut aus. Und jetzt Meldung auf Meldung. Was treiben eigentlich die ganzen Finanzexperten in ihren blitzeblankpolierten Hochhäusern den ganzen Tag ? Man könnte ja überlegen, wieder auf die gute, alte Kristallkugel umzusteigen. Crazy, oder?

Und dann 9/11, zweiter Teil. Nur diesmal 11/26. Und fast zweihundert Tote in Bombay (Mumbai), weil ein Dutzend kranker Affen mit Sturmgewehren meinten, die Religion des Friedens den Menschen ein bisschen näher bringen zu müssen, inklusive eigener Freifahrt in die ewigen Jagdgründe. Wobei ich stark bezweifele, dass dort die Jungfrauen auf sie warten. Denn die kommen in einem Zustand hier hoch…tz tz…wie Dieter Nuhr einst so trefflich formulierte. Wobei der lebendig geschnappte Affe es wohl auch vorziehen würde, bei seinen Gefährten zu weilen, wenn die indische Polizei ihn behandelt, wie man eben solche Leute behandelt. Auch drei unschuldige deutsche Touristen (ein Ehepaar und ein Medienunternehmer) kamen unter tragischen Umständen ums Leben. Terror trifft uns eben alle, vielleicht habens einige jetzt verstanden. Mal abgesehen davon, wie bestialisch die jüdischen Eltern des kleinen Mosche erst gefoltert und dann ermordert wurden. Deutschland, Israel und die ganze Welt trauert. Und die deutsche Presse hält sich vornehm zurück: berichtet nicht oder nur spät über die geplanten 5000 Toten des Anschlags, über die religiösen Hintergründe, über die entstellten Leichen.  In BILD gibt es ein Interview mit der Freundin von Ralph Burkei. In BILD!

Und in Dubai feiern die Scheichs die grösste Sause des Jahres. Eine künstliche Insel in Palmenform mit Disneyland für Erwachsene drauf gibt es zu bestaunen. Inklusive Mono-Rail für Poly-game. Zwar null Kultur, aber Protz aus 1001er Nacht. Und in dieser Nacht kommen sie alle brav: Boris Becker, die alte Ex von ihm, die neue Ex von ihm, und die sonstige A-,B- und C- Prominenz westlicher Provinienz. Trost: Erdöl wird billiger.

Und seit gestern bekommt nun Griechenland die Freuden des Kulturverfalls zu spüren: Autonome attakieren Polizisten, ein Polizist erschießt aus Versehen (und wohl auch in einer Notwehrsituation) einen 15-jährigen. Und schon brennen 5 andere griechische Städte. Auch wenn der Vorfall natürlich noch polizeirechtlich untersucht werden muss, eins ist wohl klar: die autonome Gewalt ist nicht akzeptabel, die kümmern sich doch einen (sorry) Dreck um das Leben anderer (wie man an den brennenden Häusern sieht, wo alte Leute von der Feuerwehr gerettet werden mussten). Aber viel krasser ist ja noch, wie unsere Presse mal wieder reagiert: Spiegel Online gibt zwar den bestürzten, im Artikel dann aber kein Jota eines Hinweises auf Recht und Unrecht, geschweige denn eine explizite Verurteilung der Randale. Kein Wunder, wenn Polizisten sich nicht mehr trauen, von ihrer Dienstwaffe Gebrauch zu machen. Man ist ja der Idiot der Nation dann.

So. Irgendwas vergessen ? Ich glaube nicht. Ach doch, die ISS wurde einmal mehr gelungen mit Material und Personal versorgt und wissenschaftliche Experimente von globaler Bedeutung initiiert. Aber wen interessiert das schon?

Wie sang Billy Joel so treffend ? We didn`t start the fire….dafür starten wir dennoch oder trotzdem frisch und frei mit dem blog wieder durch in die Vorweihnachtszeit!

Bild: Copyright CNN.com (Trauernde jüdische Angehörige und Bekannte des in Mumbai ermordeten Rabbiner-Ehepaares)


Zitat der Woche

All the great things are simple, and many can be expressed in a single word: freedom, justice, honor, duty, mercy, hope. (Winston Churchill)

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