Archive for the 'Bücher' Category

Annette Ramelsberger: Der deutsche Dschihad

Es gibt ja viele Bücher, die sich als „am Puls der Zeit“ oder als „brandaktuell“ beschreiben lassen oder deren Klappentext das dann zumindest für den jeweiligen Inhalt beansprucht. Aber nicht allzuoft begegnet man Sachbüchern, die dann auch wirklich halten, was sie versprechen. Dieses vor knapp zwei Monaten erschienene Buch von Annette Ramelsberger mit dem prägnanten Titel „Der deutsche Dschihad – Islamistische Terroristen planen den Anschlag“ darf hingegen getrost als brandheiss und sogar beunruhigend aktuell bezeichnet werden. Akribisch beschreibt die Autorin und SZ-Journalistin darin, wie die komplexen Hintergründe und Zusammenhänge in der deutschen Islamistenszene in den letzten Jahren nur mühsam von den deutschen Sicherheitsbehörden aufgedeckt werden konnten, und so einige schwere Anschläge in letzter Sekunde noch vereitelt wurden. Sie stellt eindeutig klar, wie knapp nur Deutschland an der Katastrophe vorbeigeschlittert ist und wie in völliger Verkennung der Fakten sich die deutsche Öffentlichkeit die Wirklichkeit im Kampf gegen den Islamismus schönredet. Ohne Panik zu verbreiten oder Angst schüren zu wollen, legt sie dar, dass der Heilige Krieg längst vor unserer Haustür angekommen ist. Detalliert schildert sie Geheimdienstberichte, Observations- und Telefonprotokolle, Fahndungsmaßnahmen und Gerichtsprozesse, die zur Aufdeckung der jüngsten Terrorplots in Deutschland geführt haben. Aktuell ist das Buch deshalb, weil es die jüngsten Entwicklungen bis Januar 2008 berücksichtigt, die Sauerland-Gruppe um Fritz G. und die Festnahmen im GIMF-Prozess werden beispielsweise ausführlich beleuchtet. Ein erschütterndes und aufrüttelndes Buch zugleich, stellenweise wie ein (leider realer) Krimi zu lesen, mit präzisen Zeitangaben, schnellen Ortswecheln und knappen Aktionspassagen. Ein Buch, dass jedoch nie polemisch wird und auch ganz klar nicht alle Muslime in Sippenhaft für den Islamismus nehmen will. Dennoch kann man sich ein mulmiges Gefühl angesichts der düsteren Zukunftsaussichten, die sie hier ausbreitet, nicht verkneifen – denn selbst die Experten teilen die Meinung, dass ein Anschlag in Deutschland nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern nur noch des „Wann“ sein wird. Trotz einiger Wiederholungen der Protagonisten im Textfluss des Buches also insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre, wenn nicht sogar ein „Must Read“ für jeden, der sich über die Zukunft und die gesellschaftliche Situation in Deutschland Gedanken macht!

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Die „10 Gebote“ des J. Todenhöfer ? oder Wie die Plakatwerbung lügen lernte…

Todenhöfer_PlakatEines vorneweg: Nichts gegen Herrn J. Todenhöfer persönlich. Auf den ersten Blick ein freundlicher, mittlerweile grau melierter Mann mittleren Alters mit einer sanften, zu seinem Gentleman-Auftreten passender Stimme. Ein Mann mit sehr dezidierten, auch sehr durch persönliche Erfahrung geprägten Ansichten zum Thema „Clash of civilizations“, Irakkrieg, Kampf gegen den Terror usw… Es gibt nur ein Problem: er hätte seine Erfahrungen und Geistesblitze vielleicht doch besser für sich behalten sollen, oder allenfalls im Kreise seiner Familie ausdiskutieren mögen. Denn mittlerweile neigt Todenhöfer, nachdem er die letzten Monate (oder Jahre ?) durch alle Talkshows à la Kerner & Co. getingelt ist und Bücher mit den Titeln von Kinder-Vornamen herausbringt, doch arg zum nervtötenden Dauermoralisieren. Und seit heute das: von jeder zweiten Leuchtreklame in der Stadt springt einem die Werbung für sein neuestes Machwerk „Warum tötest du, Zaid ?“ entgegen (s. Foto) .

An sich ist es ja nichts Verwerfliches, durch gezielte Provokation Werbung für ein Printerzeugnis zu betreiben. Machen andere ja auch, jeden Tag. Diese Werbung, die in die grobe Form von 10 Thesen zum Thema „Der Westen“ und seine Beziehung zum Islam gepresst wurde, ist jedoch fast schon keine Provokation mehr, sondern geht an die Grenze zur Verleumdung, ja man möchte fast meinen, zur Selbstaufgabe. Einige würden vielleicht sogar schon von islamischer Propaganda sprechen. Todenhöfer, bei dem man spürt, das er das wirklich ernst meint und dessen Geschichten- unbestritten – auch emotional ergreifend sind, macht sich hiermit aber leider zum Frontmann islamischer Geschichtsverdrehung, anders kann man es mittlerweile nicht mehr bezeichnen. Und die muslimischen Massen werden mit ihm prahlen und voller Stolz auf einen westlichen Intellektuellen, der sich für sie einsetzt, verweisen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Aber warum ist diese Plakatwerbung von Todenhöfer so ungeheuerlich provokativ wie sie falsch ist ? Gehen wir seine Thesen einmal der Reihe nach durch:

1. Die „Eyecatcher“- Eröffnungsthese: Der Westen ist viel gewalttätiger als die Muslime bzw. die muslimische Welt. Angeblicher Beweis: Millionen arabische Zivilisten wurden während der Kolonialisierung getötet. Also erst einmal: das ist übelster Bildzeitungs-Stil. Eine Behauptung, und dann ein einziger, knapper Satz als Beweis nachgeschoben. Na toll! Wenn einem nichts mehr einfällt, der Allzweckhammer Kolonialisierung. Die ist ja, wie wir heute wissen, so ziemlich für alles verantwortlich, nicht wahr ? Von AIDS bis tropischen AK-47s, vom Artensterben bis zur Wirtschaftsschwäche Perus. Und auch die vermaledeite Globalisierung – wer ist letzlich schuld ? Die europäischen Kolonialisten, bien sur. Ach – und zum Thema Gewalt: die Eroberung Andalusiens, die rasende Ausbreitungs des Islams in den ersten Jahrhunderten nach einem gewissen Herrn M., die tagtäglichen Greueltaten in den Ländern, wo die Scharia Staatsrecht ist, das ist ja sicher nur ein Zuckerli gegen die westliche Gewalt…ja ja…wers glaubt, wird selig (oder auch nicht).

2. Es ist angesichts der „Kriegspolitik des Westens“ nicht wirklich erstaunlich, das Extremisten immer mehr Zulauf bekommen. OMG! Mein schönes Abendessen sucht sich gerade unvermeidlich seinen Weg nach oben. Werterelativismus nannte man so was früher mal, beschönigend ausgedrückt. Die armen Extremisten, sie können ja gar nicht mehr anders, angesichts unserer Kriegspolitik…nein, so was aber auch. Die Extremisten kämpfen ja auch so mutig, Mann gegen Mann, gegen die amerikanischen Soldaten. Da wird sich mittags um 12 in der Gluthitze Falludjas aufgestellt, und 1 gegen 1 die Pistoleros gezückt…in der Mehrzahl andere Muslime zu überfallen und diese wg. unterschiedlicher Sub-Glaubensrichtung (Shiiten vs. Sunniten) niederzumetzeln, nein, das käme den „legitimen“ Extremisten nie und nimmer in den Sinn… *Ironie-mode off*

…. und so geht es Schlag auf Schlag weiter. Es ist zu ungeheuerlich, um alles hier durchzusprechen. Besonders hervorheben möchte ich jedoch noch Punkt 4 (Muslime haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt) und Punkt 5 (Auch im Koran ist die Liebe zu Gott zentrales Gebot). Wo die westliche Kultur „entscheidend“ durch die islamische mitgeprägt worden sein soll, kann ich – außer bei den arabischen Zahlen und so einigen Sprachelementen, die diese Eroberer ins spanische Andalusien mitbrachten – beim besten Willen nicht erkennen. Und Dönerbuden sowie Perserteppiche sind ganz sicher keine Kultur-Bestandteile, noch beweisen sie die Friedlichkeit einer Religion. Und das die Liebe zu Gott im Koran eine zentrale Stellung einnimmt, das ist glatt gelogen! Das, was der Koran fordert, ist allenfalls Respekt und Unterwerfung vor Gott (+ ständige Angst vor Strafe bei Übertretung der göttlichen Gesetze). Göttliche Liebe, Liebe bis hin zur Selbstaufgabe, zur Menschwerdung („gab ich meinen eigenen Sohn hin…“) bleibt – sorry, guys – wohl im Copyright des Christentums!

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage zum Schluss: Wann dürfen wir Todenhöfer zur Konvertierung zum Islam „gratulieren“ ?

Des alten Kanzlers neue Memoiren…

ErinnerungenAn ihm kommt keiner vorbei: „Entscheidungen“, die in Buchform für die Ewigkeit eingemeißelten Memoiren unseres Ex-und Altkanzlers Schröder. Nachdem sich diverse Medien an dem Inhalt und dem merkwürdigen Schreibtempo des Autors schon vorab die Finger wundgeschrieben haben, liegt es nun endlich da, das wuchtige Buch mit einem spitzbübisch und gleichzeitig relaxt (man könnte es auch als herablassend deuten) vom Cover blinzelnden Kanzler.Auch am Kanzler als personifizierte Person in persona kommt leider im Moment keiner vorbei: seine Erhabenheit, Brioni-Kanzler der Erste, „der auf die Menschen zugeht“, ist im Moment in den Medien deutlich überrepräsentiert, um nicht zu sagen, omnipräsent, wobei es ihm natürlich ganz banal und einfach um die maximale Promotion für sein Buch geht. Die hohe Startauflage will ja irgendwie abverkauft werden. Da müssen Terry Pratchett, Ken Follett und Frank Schätzing natürlich ein bisschen enger zusammenrücken im Buchregal, damit genug Platz für den Kanzlerwälzer bleibt. Gestern bei Beckmann, heute im Radio, und jetzt auch in der Buchhandlung Ihres Vertrauens! Inhaltlich muss man sagen, ist es leider der gleiche Quatsch mit Soße geblieben, der es immer schon war: „Putin“ ist immer noch der lupenreine Demokrat, der Eklat in der Elefantenrunde letztes Jahr ist „zwar professionell vielleicht nicht höchsten Ansprüchen genügend, aber gerechtfertigt“, die Wahlen hat die SPD „ja eigentlich so gesehen, nicht wirklich verloren“ und „die neue Kanzlerin solle sich nicht so an Amerikas Rockschöße hängen“ (Zitate sinngemäß der Aussagen Schröders wiedergegeben). Wer wirklich sinnvolle Memoiren lesen und dabei noch was lernen will, sollte statt dessen zu diesem Buch greifen, das außer der Tatsache, daß es auch ein bedeutungsschwangeres Wort mit E beginnend im Titel trägt, mit dem Buch Schröders nichts, aber auch gar nichts gemeinsam hat. Also : „Erinnerungen“ statt „Entscheidungen“.

The Zen Of CSS Design

The Zen Of CSS DesignFür alle, die Interesse am Produzieren von Webstandard-konformem Seiten haben und ihr Augenmerk vor allem auf die ästhetische Wirkung guten Designs legen wollen, sei dieses Werk empfohlen. Verfasst von zwei der bekanntesten Webdesigner im Umfeld des W3C-Gremiums, Dave Shea und Molly E. Holzschlag, stellt dieses Buch vor allem die Wirkungsweise auf den Betrachter und die kleinen, aber feinen Möglichkeiten von CSS, optisch umwerfende Designs zu erzeugen, in den Vordergrund. Ein wenig Vorkenntnisse im CSS-Code sollte der interessierte Leser also mitbringen, dennoch ist das Buch auch für Neulinge angenehm und durchaus unterhaltsam zu lesen. Anhand zahlreicher, bebilderter Webseiten-Beispiele wird exemplarisch gezeigt, mit welch verschiedenen Techniken und Ideen die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann. Durch den flotten Schreibstil und der Designlastigkeit hebt es sich wohltuend von der Masse der meisten nur auf trockenen Webcode bezogenen Design-Fachbücher ab.

Archangel von Robert Harris

ArchangelIn diesem zweiten Roman, den ich von Robert Harris gelesen habe, dreht sich alles um ein dunkles Geheimnis des kommunistischen Diktators Stalin, auf das ein Historiker zufällig am Rande einer Tagung im postkommunistischen Rußland unserer Tage, stößt und das ihn zu weiteren Nachforschungen veranlaßt. Dabei werden die Irrungen und Wirrungen der damaligen Sowjetunion und des heutigen, von Korruption und Verwestlichung gezeichneten Rußlands, sehr lebensnah an der historischen Realität geschildert und sehr emphatisch fühlbar.Kontinuierlich wird Spannung aufgebaut und atemlos ist man gemeinsam mit Kelso Fluke, dem Historiker, und anderen Protagonisten, auf der Fährte der Geheimnisse um Stalin, bis sich die Ereignisse in der russischen Nordmeerhafenstadt Archangelsk (Archangel) schließlich zuspitzen. Fazit: Noch dichter und geheimnisvoller als “Fatherland” geschrieben und sehr detailliert recherchiert. Geschichte “in the making” und zum Anfassen, man spürt förmlich den kalten Hauch der russischen Taiga und des stalinistischen Allmachtsapparats, der einen zu umfassen droht…Absolut empfehlenswert!


Zitat der Woche

All the great things are simple, and many can be expressed in a single word: freedom, justice, honor, duty, mercy, hope. (Winston Churchill)

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