Archive for the 'Film-Review' Category

Film-Review: 300

300Trotz aller Kontroversen um diesen Film, der die Gemüter einiger zartbesaiteter Iraner im Moment so sehr erregt, eines vorneweg: ja, er ist historisch und ja, er hat eine Botschaft und nein, er hat nichts mit Nazi-Kult zu tun.  Als Adaptation eines Frank Miller Comics hat Regisseur Zack Snyder mit diesem Film ein wahres Meisterwerk geschaffen, dass schon bald Kultstatus erlangen könnte, ähnlich dem brutalen film noir-Epos Sin City. Die historische Vorlage für diesen Film (und den Comic) bot sich in der von dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot überlieferten Schlacht am Thermopylenpass im Jahre 480 v. Chr. Dort sollen der Überlieferung nach 300 Spartiaten (die besten Krieger der Stadt Sparta) einer Übermacht der in Griechenland einfallenden Perser unter Führung von Xerxes I. drei Tage lang standgehalten haben, ehe sie schließlich (durch einen Verrat begünstigt) besiegt wurden. Dieser Aufschub verschaffte vermutlich den zunächst uneinigen Heeren der verschiedenen griechischen Polis die Möglichkeit, sich zu sammeln und die Perser später zurückzuschlagen. Nun, zunächst einmal ist der Film visuell ein Leckerbissen, zumindest für den, der sich von dem für Frank Miller Comics obligatorischen Spritzen des Leinwand-Blutes nicht gleich abschrecken lässt: ganz in ocker- und sandfarbenen sowie dunklen Tönen coloriert, bieten sich die Kämpfe auf dem Schlachtfeld in so noch nicht gesehenen Superzeitlupen-Fahrten und Zeitraffer-Effekten dar. Die Stunts sind erstaunlich gut choreographiert und werden in ihrer Ausführlichkeit geradezu episch zelebriert und überhöht dargestellt, das Ganze begleitet von furiosen Metal- bzw. Choralkompositionen. Inhaltlich wird vielleicht in der Breite nicht viel geboten, wie in manchen Kritiken zu lesen, wird doch neben dem Schlachtgetümmel  lediglich ein zweiter Subplot um die Frau des Königs und Anführers Leonidas aufgemacht. Dennoch ist das auch so gewollt, denn schließlich soll die Betonung auf der Verteidigung der Freiheit Spartas und seiner Bewohner liegen, was auch in den voller Pathos strotzenden Dialogen zum Ausdruck kommt. Leider ist hier die deutsche Synchronisation mal wieder mangelhaft, weshalb einige Aussagen fast ins Lächerliche abgleiten. Auch ein großer Kritikpunkt ist die Monsterdichte, die mit mutantenartigen Buckligen, Henkern mit Krebsscheren-Armen und mammutgroßen Elefanten wohl schon fast an die Herr-der-Ringe Trilogie herankommt. Ansonsten aber sollte man den Film aber vielleicht schon ein bisschen ernster nehmen als die vielen, die sagen: Na ja, ist halt ne` Comic-Verfilmung und maßlos übertrieben, aber eigentlich bedeutungslos. Immerhin zeigt der Film, dass die Zeit damals trotz der Erfindung der griechischen Philosophie und Demokratie kein Zuckerschlecken war, es wurde auf beiden Seiten ums Überleben gekämpft. Soweit es eben ging, wurden im Film minutiös auch historische Bezüge detailgerecht eingebaut, so ist z.B. auf den Schilden aller Spartiaten ein V-förmiges Lambda (für Lakedaimonier) eingraviert. Daher ist auch der Vorwurf, der Film bediene einen faschistoiden Männlichkeits- und Kriegerkult, mehr als lächerlich: den Spartiaten ging es um die Verteidigung ihrer Freiheit, ihrer Familien und ihres `way of life`, eben das, was sie kannten und ihnen wert war, vor einem übermächtigen und ihr Land plündernden Feind. Dafür waren sie eben bereit, eher in den Tod zu gehen, als sich dem fremden und grausamen Herrscher Xerxes zu unterwerfen. Dass diese Überlieferungen natürlich patriotisch gefärbt sind und wir leider nur wenig Genaues über diese Zeit wissen, tut der Grundaussage des Films aber keinen Abbruch. Denn eines wissen wir mit Sicherheit: das Griechenland eine der Wiegen unserer modernen Zivilisation ist, und das wohl nicht zu Unrecht!

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Film-Review : Marie Antoinette

Marie AntoinetteDies ist so einer dieser Filme, wo man zunächst nur zögerlich hingeht : „Na ja, das wird wohl ein weiterer dieser Kitsch- und Kostümfilme sein, gespickt mit Tränen und Herzschmerz“, so in etwa könnte man auch mein Vorurteil dem Film gegenüber beschreiben. Jedoch, weit gefehlt. Für das optische Feuerwerk, das Starregisseurin Sofia Coppola in dem Film über das Leben der französischen Königin Marie Antoinette abbrennt, gibt es nur eine Bezeichnung, die all das Geschehen auf der Leinwand treffend umschreibt : Opulenz. Opulenz in den fantastisch dekorierten Bildern, Opulenz in den prächtig ausstaffierten Akteuren und auch Opulenz in der Musik, die zwar in modernem Gewand (Songs von „New Order“, „The Cure“ …) daherkommt, sich aber sehr wirkungsmächtig präsentiert und allgegenwärtig ist. Durchgängig wird dabei in dem Film fast ausschließlich nur das Leben am französischen Hof gezeigt (inklusive Völlerei, Prunk, Langeweile und Intrigen) – die bittere Realität der damals völlig verarmten nicht-adeligen Stände wird ausgeklammert. Kritiker werden dies dem Film zum Vorwurf machen, sie werden argumentieren, der Film sei nichts als Staffage und verarmt an Handlung. Aber so einfach ist es nicht: Gerade weil Coppola diesen subjektiven Ansatz, diese Milieustudie, bewußt wählte, bekommt der Film etwas eigentümlich Einzigartiges, eine andere Sicht der Dinge, die man so noch nicht gesehen hat. Weiterlesen ‚Film-Review : Marie Antoinette‘

Film-Review: Miami Vice

Miami ViceUm es gleich vorweg zu sagen: die Neuauflage der 80`er Erfolgsserie Miami Vice als Kinofilm ist der Kracher dieses Kino-Herbstes ! Und das ist durchaus auch wörtlich gemeint : in dem Film mit Colin Farrell (Sonny) und Jamie Foxx (Ricardo) pfeifen einem zeitweilig die Kugeln nur so um die Ohren, dass sich das Trommelfell mit leisen Schmerzensbekundungen meldet. Aber der Kampf gegen die Drogenmafia in den sonnigen Gefilden Südfloridas und Kubas ist nun mal kein Zuckerschlecken, dies bekommen auch die beiden Protagonisten im Film zu spüren. Der neue, ziemlich düstere Stil, den der Regisseur Michael Mann in Miami Vice aufzieht, passt jedoch hervorragend zum Metier der beiden Undercover-Cops und dennoch kommt dank Flieder-Sakkos auch etwas 80er Jahre Feeling auf. Obwohl die Handlung nicht immer ganz logisch nachzuvollziehen ist (welche Kisten mit Waffen oder Drogen werden jetzt warum wohin geschmuggelt?), fühlt man sich dank eines funktionierenden Spannungsbogens über die gesamte Filmdauer perfekt unterhalten. Das Mißtrauen der Cops und Gangster untereinander, die Liebesbeziehung zwischen Sonny und seiner chinesischen Widersacherin (Gangsterbraut) und das furiose Ende garantieren einen hohen „Mit-Fieber-Effekt“. Einzig zu bemängeln wäre, dass der Film einige lose Enden an Handlungssträngen hinterlässt, die aber im Eifer des Gefechtes zunächst nicht übermäßig auffallen. A propos Gefecht: wer vorher nicht wusste, was eine „Barrett“ ist und so alles anrichten kann, ist nachher zumindest in dieser Hinsicht schlauer – und froh, dass es für solche Probleme Typen wie Sonny und Ricardo gibt…


Zitat der Woche

All the great things are simple, and many can be expressed in a single word: freedom, justice, honor, duty, mercy, hope. (Winston Churchill)

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